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INTERVIEW MIT FRANZ-XAVER LINDL: „Ich werde die Kunden und meine Mitarbeiter vermissen!“

INTERVIEW MIT FRANZ-XAVER LINDL: „Ich werde die Kunden und meine Mitarbeiter vermissen!“

 

1976. Das war das Jahr, in dem Jimmy Carter zum US Präsidenten gewählt und Großbritannien hart von einer Wirtschaftskrise getroffen wurde. Das Jahr, in dem die Entscheidung zur Gründung eines Europäischen Parlamentes fiel und Helmut Schmidt ganz knapp als Kanzler bestätigt wurde. Das Jahr, in dem die DDR den in Ost und West bekannte Liedermacher Wolf Biermann ausbürgerte und sich in China 1,5 Millionen Menschen zum Trauermarsch für den Führer der Kommunistischen Partei Mao Tse-Tung aufmachten. Und es war das Jahr, in dem ein junger, hoffnungsvoller Mann seinen Berufsweg bei der Sparkasse begann. Sein Name? Franz-Xaver Lindl, unser zum Jahresende ausscheidender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Regensburg. Unglaubliche 44 bewegende Berufsjahre liegen hinter ihm, 30 davon in der Geschäftsführung von insgesamt drei verschiedenen Sparkassen-Instituten. Eine lange und erfolgreiche Karriere, in Zeiten voller Wandel und Umbrüche. Wir führen mit ihm ein letztes Bloginterview: Zeit noch einmal zurückzublicken, Revue passieren zu lassen und sich zu erinnern. Was ist alles passiert, welche Herausforderungen gab es, welche Erfolge sind zu verzeichnen, was bringt die Zukunft?

 

Lieber Herr Lindl, wie müssen wir uns den jungen Bank-Azubi Franz-Xaver im Jahre 1976 vorstellen? 

Als eines von neun Kindern war ich es bereits gewohnt, fleißig zu sein und planvoll mit Geld umzugehen. Wir halfen alle zu Hause und im elterlichen Betrieb mit, besserten so unser Taschengeld auf. Ich habe mich schon früh für das Thema Finanzen begeistern können. Bei uns zu Hause war immer viel los, die Mahlzeiten wurden gemeinsam am Tisch eingenommen, das hat das Gemeinschaftsgefühl ungemein gestärkt. Familie war mir schon damals sehr wichtig und ist es auch heute noch.

 

Wir Sparkassler bezeichnen uns ja gerne auch als eine große Familie. War das damals mit ein Grund für Sie, sich für eine Banklehre beim roten S zu entscheiden? 

Absolut. Die Sparkasse hatte schon immer die sympathischsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das hat mir sofort gefallen.

Außerdem hatte ich mich als Bub schon mit meinen Brüdern intensiv mit Pfandbriefen und Renditen beschäftigt. Das hat mich interessiert, mir Freude bereitet und ich habe schnell verstanden, dass die Sparkasse traditionell für die Bevölkerung da ist, egal ob für Unternehmer, Handwerker, Privatmann oder -frau, egal bei welchem Einkommen – jeder aus der Region ist willkommen. Diese Mischung hat mich damals überzeugt und was soll ich sagen: Ich habe es bis heute keinen einzigen Tag bereut. Unser Beruf ist enorm spannend und abwechslungsreich. Wir begleiten jeden Tag neue Unternehmen und Firmen, unterstützen bei Gründungen, sind immer nah am Geschehen. Ich kann jungen Menschen, die ebenso Freude an Finanzthemen finden und einen abwechslungsreichen Beruf ausüben wollen, den Beruf Bankkaufmann/Bankkauffrau nur empfehlen! Es erwartet einen ein toller Job mit viel Spannung, Abwechslung und Perspektiven!

 

(c) Fotografie Julia Knorr

 

Sie sind der lebendige Beweis. Ich wette mal, in 44 Jahren Sparkasse hat sich wirklich viel verändert. 1976 gab es ja noch nicht mal Handys, geschweige denn das Internet. Was waren für Sie die absoluten Highlights Ihrer Karriere? 

Ja es ist wirklich einiges passiert. Ein persönlicher Höhepunkt war für mich auf alle Fälle die Wendezeit ab 1989, also das Ende der DDR und die anschließende Wiedervereinigung. Mit nur 31 Jahren bekam ich damals die einmalige Chance, eine Vorstandsposition in Freiberg, Sachsen zu bekleiden. Ein tolle Herausforderung! Und dann natürlich die Finanzkrise 2009, deren Auswirkungen wir heute noch spüren. Wir Sparkassen dachten damals, das betrifft uns nicht. Und dann fiel im September 2008 auf einmal Lehman Brothers in New York und wir mussten schmerzhaft lernen, dass auch große, systemrelevante Bankhäuser scheitern können.

Stichwort Nachwirkungen. Wie beurteilen Sie mit Ihrer geballten Erfahrung die aktuelle Lage rund um Niedrig- und Negativzins. Gibt es Licht am Ende des Tunnels?

Ich befürchte, es muss erst noch schlimmer werden, bevor es wieder aufwärts geht. Beim Leitzins werden wir nach den minus 0,5 wohl auch noch die minus 0,75 Prozent sehen. Es ist mittlerweile einfach zu viel Geld unterwegs und es wird im Firmengeschäft insgesamt zu wenig investiert. Um den steigenden Verwahrentgelten zu entgehen, versuchen auch immer mehr Privatpersonen ihr Vermögen umzuschichten, zum Beispiel in Immobilien. Gold und Sachwerte. Eine Entwicklung, die wir auch mit Sorge beobachten. Da ist die Sparkasse jetzt als Partner und Berater gefordert. Genau dafür sind wir da. Wir müssen vertrauensvoll mit den Kunden zusammenarbeiten und ihnen ehrlich und offen und auf Augenhöhe sagen, was geht, was Sinn macht und wo genau die Risiken liegen, zum Beispiel beim Thema Aktien.

Die einen wollen ihr hart erarbeitetes Vermögen in Sicherheit bringen, die anderen kämpfen in Zeiten von Corona um die nackte Existenz. Was raten sie ihren bald ehemaligen Kollegen, wie kann die Sparkasse adäquat reagieren und unterstützen?

Ich rate, bleibt immer im Gespräch miteinander! Egal wie schlimm die Situation ist: wenn es eine Lösung gibt, dann finden wir sie auch, das ist unser Anspruch. Wir begleiten Familienunternehmen in der Region teilweise schon über viele Dekaden. Für uns sind die Menschen dahinter keine reinen Nummern und Zahlen. Das gilt umgekehrt aber auch für die Kunden. Je früher kritische Dinge auf den Tisch kommen, um so besser. Denn dann ist noch genug Spielraum, um konstruktiv zu reagieren. Das gemeinsame Vertrauen in ein Geschäft, in Menschen und ihre Fähigkeiten ist in solchen Phasen, wie wir sie gerade erleben, einfach elementar. Und Vertrauen bildet sich nicht über Nacht, nicht nur über eine technische Lösung, sondern von Mensch zu Mensch, über viele Jahre. Das macht die Sparkasse Regensburg aus, das ist die DNA einer Sparkasse und das können wir. Und genau deshalb gibt es uns bald schon seit 200 Jahren.

Sind Sie stolz, Teil dieser Geschichte geworden zu sein?

Ja das bin ich. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt. Gemeinsam haben wir Erfolge erzielt und Herausforderungen gemeistert. Viele Umbrüche haben auch zu neuen Denkansätzen geführt. Aber die Aufgabe, den Wandel zu gestalten, habe ich eigentlich immer auch als Privileg gesehen.

Herr Lindl, man spürt mit welcher Leidenschaft Sie immer noch bei der Sache sind. Nun hilft es aber nicht, das Berufsende naht, nur noch wenige Tage bleiben Ihnen im Vorstand der Sparkasse Regensburg. Was werden Sie vermissen? Und auf was freuen Sie sich? 

Man ist ja nicht aus der Welt, ich bleibe in Regensburg zu Hause. Aber ich werde vor allem die Kunden und meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vermissen. Ich habe hier jeden Tag viele interessante Kontakte und spannende Gespräche. Das wird im ersten Moment sicher eine Umstellung werden und mir fehlen. Ich bin derzeit eine sehr enge Taktung gewöhnt. Aber ich freue mich auch auf mehr Zeit mit meiner Familie und auf mein neues Hobby, die Imkerei. Ich eigne mir gerade alle theoretischen Fähigkeiten dafür an. Der Region bleibe ich dadurch als großer Arbeitgeber erhalten!

Und ich werde der Techbase, die ja auch mit unserem Hause eng verbunden ist, als Berater für junge Firmengründer zur Verfügung stehen – nicht nur in Finanz-Fragen, ich begleite die jungen Gründer auch gerne zu Ämtern und versuche beim Netzwerken zu unterstützen. Denn wir brauchen den Nachwuchs und wir brauchen weiterhin mutige Gründer. Dabei will ich gerne helfen. Denn ein Standort ist umso stärker und robuster, je bunter und vielfältiger die ansässigen Unternehmen einer Region sind.

Lieber Herr Lindl, im Namen der Sparkasse Regensburg: Vielen Dank für alles, was Sie für uns, die Region und das Haus getan und geschafft haben. Wir wünschen Ihnen eine gute Zeit, Gesundheit, Glück und Zufriedenheit!     

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