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INTERVIEW FRANZ-XAVER LINDL: „Ohne die Sparkasse geht in der regionalen Wirtschaft nichts!“

von Fabian Lutz am 6. März 2018

Die Wirtschaftszeitung berichtet jeden Monat über die wichtigsten Wirtschaftsthemen aus Ostbayern. Sie legt dabei einen besonderen Schwerpunkt auf Themen rund um die regionalen Unternehmen. In der aktuellen Ausgabe ist unser Vorstandsvorsitzender Franz-Xaver Lindl im Interview zu lesen, das wir hier im Blog mit freundlicher Genehmigung auch digital abdrucken. Es geht um die ehrwürdige Vergangenheit und bewegte Zukunft des Hauses in einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Städte und Landkreise Deutschlands. Banking  im Spannungsverhältnis von Niedrigzins und Immobilienboom, sozialem Auftrag und gewachsenen Traditionen. Der Fragen stellte der Redakteur Gerd Otto.

 

Franz-Xaver Lindl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Regensburg (c) Fotografie: Rainer Fleischmann

 

Sparkasse in Regensburg hat Tradition. 1822 wurde sie nach Nürnberg als zweites Kreditinstitut dieser Art in Bayern gegründet. Letztlich ging es damals darum, den Sparwillen gerade auch unvermögender Menschen, wie den Taglöhnern, zu fördern. Was kann der Chef der größten ostbayerischen Sparkasse für die Herausforderungen von heute von seinen „Ahnen“ an der Spitze der Sparkasse lernen?

Viel. Unsere Sparkasse wird bald 200 Jahre alt. Sie hat Staatsformen, Regierungen – auch Sparkassen-Leiter und Vorstände – kommen und gehen sehen. Sie hat mit einem ganz einfachen Geschäftsmodell Krisen, Kriege und fast zwei Jahrhunderte überstanden. Das Geschäftsmodell heißt: Nutze das Geld, das Dir von den Kunden anvertraut wird, um es wiederum in den regionalen Wirtschaftskreislauf einzuspeisen. Genau das machen wir. Fast alle Gelder, die uns anvertraut werden, fließen wieder zurück in die Region. In Form von Krediten, Gehältern, Steuern, Spenden und so weiter. Der Blick zurück auf unsere „Ahnen“ – wie Sie sagen – lehrt mich deshalb vor allem zwei Dinge: Erstens. Wir – unsere Mitarbeiter, unsere Kunden, die ganze Region – können stolz sein auf unsere Sparkasse, auf das, was täglich geleistet wird. Zweitens. Lass Dich nicht beirren. Bleib ruhig und verfalle nicht in Hektik. Mit guter Beratung und guter Arbeit haben wir noch jede Klippe umschifft.

 

Am Standort Regensburg spielt die Immobilie eine immer größere Rolle. Könnte die Aufgabe bezahlbaren Wohnraum zu schaffen noch stärker als bisher ein Feld sein, durch das man an die Grundidee der Sparkassengründung vor 200 Jahren anzuknüpfen könnte?

Ja und nein. Ja, weil die Aufgabe, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen in einem boomenden Ballungsraum wie Stadt und Landkreis Regensburg einen hohen gesellschaftlichen und sozialen Anspruch hat wie vor 200 Jahren der Zugang zum Geldverkehr. Ja auch, weil die Sparkasse Regensburg als der zentrale Baufinanzierer der Region hier eine ganz wichtige Rolle einnimmt. Nein dann, wenn gefragt wird, ob wir als Sparkasse selbst als Bauherr für bezahlbaren Wohnraum auftreten sollten. Das können andere besser. Wir freuen uns darüber, Menschen den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen. Durch Vermittlung der richtigen Immobilie. Durch die Finanzierung dieses Traums. Das können wir.

 

Wieviel Stadt, wieviel Kommune, also wieviel Gemeinnützigkeit steckt eigentlich noch in einer Sparkasse unserer Tage? Worin unterscheiden Sie sich von ihren „kapitalistischen“ Kollegen?

Über unsere beiden Gewährträger – Stadt und Landkreis Regensburg – gehören wir quasi jedem einzelnen Bürger in unserer Region. Das ist das besondere an einer Sparkasse. Aber wir sind deshalb keine caritative Einrichtung für Stadt und Landkreis. Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, das sich auch so verhalten muss. Wir müssen Gewinne erwirtschaften, um unser Eigenkapital zu stärken. Das fordert der Gesetzgeber von uns. Generell sind wir bei unseren Ausgaben sparsam. Mit unseren Ressourcen gehen wir verantwortungsvoll um. Wir agieren nicht in einer besonderen Wohlfühlblase. Es gibt für uns bei Regulatorik und Bürokratie kein Gramm Erleichterung gegenüber unseren Mitbewerbern. Und gleichzeitig sind wir der Region in besonderer Weise verpflichtet. Das ist eine Herausforderung – gerade in schwierigen Zeiten wie jetzt. Denn die Erwartungshaltung an eine Sparkasse von Seiten der Kunden, der Politik und der Menschen in der Region ist immer größer als an andere Institute. Ich bin überzeugt, dass wir diesen Spagat bisher gut gemeistert haben. Wir haben unsere Kunden in den letzten Jahren nicht nur mit schönen Botschaften beglückt. Aber eins ist auch klar: ohne die Sparkasse geht in der regionalen Wirtschaft nichts. Mit unseren Krediten, mit unseren Finanzdienstleistungen und mit hochqualifizierten Ausbildungs- und Arbeitsplätzen halten wir den Motor der Wirtschaft hier vor Ort am Laufen. Auch mit unserem gesellschaftlichen Engagement in Form von Förderung, Sponsoring und gemeinnützigen Spenden.

 

Angesichts der angespannten Lage – Stichwort Digitalisierung und Niedrigzins – könnte Fusion durchaus ein Mittel sein, um gemeinsam Herausforderungen bewältigen zu können. Sehen Sie nach dem Scheitern der früheren Plänen zwischen Tirschenreuth und Regensburg eine Oberpfälzer Sparkasse zu etablieren, künftig doch neuen Spielraum?

Nein. Derzeit nicht. Ich bin fest überzeugt, dass wir unsere 200-Jahrfeier im Jahr 2022 als eigenständige Sparkasse Regensburg feiern werden. Weiter in die Zukunft zu schauen, wäre nicht seriös.

 

Welche weiteren Ansätze verfolgen Sie außerdem, um den Herausforderungen, vor denen die klassischen Kreditinstitute stehe, zu begegnen?

Zunächst müssen wir feststellen, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben. Wir haben unsere Kapitalquote nach Basel III und SolvV deutlich gesteigert und erfüllen damit die regulatorischen Vorgaben. Das bringt uns Handlungsspielräume, dem Strukturwandel der Branche aktiv zu begegnen. Was heißt das konkret? Wir werden effizienter. Wir werden digitaler. Wir werden schneller. Wir werden noch kundenorientierter. Unsere Bilanzsumme ist in den letzten zehn Jahren um über eine Milliarde Euro gewachsen. Gleichzeitig haben wir Personal abgebaut. Das bedeutet einen erheblichen Effizienzgewinn. Wir sind heute schon so nah am Kunden wie noch nie – mit unserer ausgezeichneten App sind wir quasi in der Hosentasche. Im Netz erreichen Sie uns rund um die Uhr. Und hier wird sich noch einiges tun in der Zukunft. Wir bieten immer komplexere Dienstleistungen an – gerade im gewerblichen Kreditgeschäft. Das fordert neue Kompetenzen in der Ausbildung und beim Personal. Deshalb setzen wir auf eigenen Nachwuchs, auf eine gute und starke Ausbildung. Auf kontinuierliche Weiterbildung – life long learning, wie man so schön neudeutsch sagt. Kurzum: Wir wollen ein modernes, digitales und gleichzeitig in der Region verwurzeltes Finanzunternehmen sein. Und ein verlässlicher attraktiver Arbeitgeber für Menschen, die Lust auf Umgang mit Kunden, auf Zahlen, und auf Karriere in der Region haben.

 

Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass Ihnen, nachdem Sie bereits seit 20 Jahren dem Vorstand der Sparkasse angehören und 2004 zum Vorstandsvorsitzenden ernannt wurden, von den Aufsichtsgremien trotz dieser allgemein durchaus angespannten Lage in der Bankenbranche eine Vertragsverlängerung angeboten wurde?

Ich freue mich zunächst, auch die kommenden fünf Jahre Verantwortung für unsere Sparkasse übernehmen zu dürfen. Sie haben Recht, dass es heutzutage keine Selbstverständlichkeit ist, eine so lange Zeit einem Unternehmen vorzustehen. Ich verstehe es als Vertrauen unseres Verwaltungsrats in die ganze Mannschaft – vom Vorstand bis hin zu unseren Auszubildenden. Denn ich habe mich immer als Teil einer funktionierenden Mannschaft gesehen; das war und ist mir wichtig. Ich begreife die Vertragsverlängerung aber auch als Auftrag, den von mir und meinen Kollegen in die Wege geleiteten Strukturwandel unserer Sparkasse fortzusetzen und zum Erfolg zu führen. Daran werde ich gemessen. Und das ist gut so. Ich kann unseren Kunden und unseren Mitarbeitern eines versprechen: Ich werde mich in diesen fünf Jahren ebenso mit Kraft und Energie für die Sparkasse einsetzen und in unser Team einbringen wie in jedem einzelnen der bisherigen 20 Jahre. Und das macht mir viel Freude.

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