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SPONSORING: Internationale Kurzfilmwoche Regensburg – Kurzfilm und Schule

SPONSORING: Internationale Kurzfilmwoche Regensburg – Kurzfilm und Schule

Fotonachweis Titelbild © Peter Fischer

Die Internationale Kurzfilmwoche startet diese Woche und dauert vom 13. bis zum 24. März. Es ist das 25. Jubiläum des Festivals, der Länderschwerpunkt liegt heuer auf Japan. Wie schon im letzten Jahr unterstützt die Sparkasse Regensburg das dazugehörige Projekt Kurzfilm und Schule mit einem Sponsoring. Das Programm möchte junge Menschen nicht nur für Film begeistern, sondern ihnen die Fähigkeit mitgeben, Filme zu „lesen“ und das erworbene Wissen dann mit Hilfe einer medienpädagogischen Begleitung weiter zu verfeinern. Das passt gut zu einem modernen Finanzdienstleister mit öffentlich-rechtlichem Bildungsauftrag, denn Medienkompetenz wird auch in den kommenden Jahren eine wichtige Komponente in der Bildungsarbeit sein. Dieses Jahr besteht das verantwortliche „Kurzfilm und Schule“-Team aus Martin Mühlich, Franziska Kränzler und Cindy Michel als Medienreferentin und Medienpädagogische Begleitung. Wir haben mit im ihnen im Vorfeld der Kurzfilmwoche gesprochen.

 

Lieber Martin. „Kurzfilm und Schule“ das heißt vor allem: Gemeinsam mit Schulklassen tolle Filme sehen und sie anschließend zu diskutieren und zu interpretieren. Damit unsere Leser mal ein Gefühl dafür bekommen, wie beliebt das Projekt ist: Wie viele Klassen haben denn letztes Jahr in etwa teilgenommen? Wie viele Kurzfilme wurden präsentiert und wie weit ist das schulische Einzugsgebiet?

Martin: Es kommen jedes Jahr ca. 500 – 600 Schüler. Es sind Schulen aus Regensburg Stadt und Landkreis vertreten. Und es ist auch schon mal eine Schule aus Cham oder Straubing dabei. Durch die diesjährige Veranstaltung der LehrerInnen Matinee im Vorfeld der Kurzfilmwoche und der verstärkten Zusammenarbeit mit der Medienzentrale Regensburger Land, merkt man dieses Jahr bereits eine Zunahme des Interesses von Seiten der Lehrer.

 

Das ist beachtlich! Bei der Auswahl der Filme geht ihr stufen- und themenorientiert vor. Schaut ihr in die dabei konkret in die Lehrpläne oder denkt ihr das Ganze eher von der Interessenslage der Schüler her? Beides muss sich nicht ausschließen, aber um Schüler überhaupt in die Vorstellungen zu bringen, muss man vor allem auch den Schulterschluss mit dem „Lehrkörper“ suchen, oder? 

Martin: Auf jeden Fall. Deshalb stehe ich auch sehr hinter der dem Projekt „LehrerMatinee“, das wir vor der eigentlichen Kurzfilmwoche anbieten. Die Veranstaltung bietet  uns eine gute Gelegenheit mit den LehrerInnen direkt ins Gespräch zu kommen und ein Gefühl für die Programme zu bekommen.

 

„Das Interesse von Seiten der LehrerInnen für Kurzfilm und Schule nimmt zu.“

(Martin Mühlich)

 

 

Daneben bekommen die  interessierten Lehrkräfte bereits im Vorfeld Information, um die Filme thematisch und inhaltlich aufzuarbeiten. Wie wichtig sind diese Vorbereitungen und die Zusammenarbeit für den anschließenden Erfolg der Projektzeit?

Franziska: Wir stellen für die Lehrkräfte eine Übersicht der Filme zusammen, die wichtige Metadaten und Informationen zum Inhalt enthält  und erste Einblicke in die unterschiedlichen Themengebiete gibt. Diese begleitenden Materialien sind unserer Meinung nach sehr wichtig für die Vorbereitung auf den Besuch. Dadurch wird den Schülern der Einstieg in das Programm erleichtert und auch direkt eine Interpretationsebene geschaffen, auf der die Kurzfilme diskutiert werden können.

 

Cool. Interessant fand ich die Aussage im letzten Jahr, dass man die Faszination Kino und Kurzfilm nicht überbewerten solle. Der Kurzfilm sei eher Werkzeug, um alltägliche, jugendrelevante Themen anzusprechen und zu diskutieren. Was kann dieses Werkzeug? Ist es eher der Vorschlaghammer oder das Multifunktionstool? 

Martin: Hier sollten wir, meiner Meinung nach, nicht Theorie und Praxis vermischen. Kurzfilme sind ein wunderbares Medium um gesellschaftliche Themen oder soziale Missstände in kurzer Zeit darzustellen. Darum eignen sie sich auch hervorragend als Diskussionsbasis. Dennoch befinden sich die Kinder und Jugendlichen, wenn sie die Kurzfilmwoche besuchen, in einer Schulveranstaltung. Was das Werkzeug Kurzfilm kann, hängt meiner Meinung nach, nicht nur vom Kurzfilm, sondern auch von vielen anderen Faktoren ab.

 

„Die begleitenden Materialien sind sehr wichtig für die Vorbereitung auf den Besuch.“

(Franziska Kränzler)

 

Aha. Den wichtigen Unterschied zwischen Theorie und Praxis kann ich in Sachen Film und Sparkasse Regensburg nur bestätigen. Wir unterstützen Filmformate im Bereich Image und Jugendansprache und richten seit einigen Jahren den Sparklasse Wettbewerb aus und haben mit dem Heimat Homegrown Projekt ein eigenes Musikvideoformat für die junge Bandszene. Was man sich vorstellt und was hinten bei rauskommt, sind meist zwei Paar Stiefel. Was mir dabei aber immer auffällt, ist die hohe Technikaffinität und das Wissen, das junge Leute heute über Filmproduktion haben. Könnt ihr das so bestätigen?

Cindy: Das stimmt. Die Kids von heute sind um Einiges technikaffiner als ihre Eltern oder sogar großen Geschwister es noch waren. Das liegt einfach daran, dass die Entwicklung der digitalen Medien so rasend schnell voranschreitet. Während für die Eltern vielleicht noch das Kinderprogramm im TV und die Kassette im Rekorder das Höchste der digitalen Gefühle  war, wachsen die Kids von heute mit dem Tablet und Apps wie YouTube und Co auf. Schon Dreijährige wissen heute, wie sie „PawPatrol“ auf dem Gerät herbekommen, welche App sie für „Die Sendung mit der Maus“ anklicken müssen. Und dann gibt es natürlich nicht nur Apps, mit denen sie ihre liebsten Sendungen konsumieren können, sondern eben auch Produktions-Apps. Schon im Kindergarten lernen Sie, wie man mit dem Tablet filmt und einen Film produziert. Erst vor kurzer Zeit hatte die Medienfachberatung Oberpfalz genauso einen Kurs im Angebot. Das ist großartig, denn diese Skills brauchen die Erwachsenen von Morgen – ohne digitales Know-how geht gar nichts mehr.

 

Ich muss zugeben: „PawPatrol“ musste ich jetzt selbst erst mal googeln. Wieder etwas dazu gelernt. Digitale Kompetenz – ist das ein Aspekt, der auch bei „Kurzfilm und Schule“ eine entscheidende  Rolle spielt? 

Cindy: Auf jeden Fall. Nicht nur beim Gespräch mit den Jugendlichen sondern schon bei der Filmauswahl im Vorfeld. Wir versuchen in jedem Programm auch den einen oder anderen Film zu zeigen, der sich mit sozialen Medien oder dem Digitalen beschäftigt. In diesem Jahr zeigen wir etwa einen Film, der sich mit der Selbstdarstellung in den sozialen Medien beschäftigt. Protagonistin ist eine junge Influencerin, die augenscheinlich von einer Drohne gestalked wird, die jeden Schritt und Tritt des jungen Mädchens in sämtliche Profile  postet, selbst als dieses auf die Toilette muss. Es wird sogar ziemlich dramatisch gen Ende, das Gerät scheint sie in den sicheren Tod zu treiben. Doch ein Twist zum Schluss lässt alles anders kommen und zeigt, wie weit Menschen gehen würden für den Follower-Fame und wie schnell sich die Wirklichkeit in der digitalen Welt verdrehen kann. 

 

„Ohne digitales Know-how geht gar nichts mehr.“

(Cindy Michel)

 

 

 

Warum zeigt ihr diese Art von Filmen?

Cindy: Es ist uns wichtig, dass sich die jungen Leute, die eben Tag täglich in irgendwelchen Social-Media-Plattformen rumhängen auch mit den Formaten und deren Macht auseinandersetzen. Dass sie sehen, wie manipulierbar und angreifbar man als Digitaler doch ist.

 

Und wie beeinflusst diese Technikaffinität die Diskussion mit den Jugendlichen?

Cindy: Vor allem sind viele schnell gelangweilt von langsamen Filmen. Sie sind schnelle Schnitte  und Bilder gewohnt. Kurze Dialoge und viel Action – so haben die digitalen Medien ihre Sehgewohnheiten geprägt. Es ist spannend, sie in der Diskussion mit diesen Dingen zu konfrontieren und sie zum Nachdenken anzuregen, warum das so ist – und warum manche Filme einfach langsamer erzählt werden müssen, als andere. Dadurch, dass viele von den Schülerinnen und Schülern selbst schon kurze Filme für YouTube und Co. gedreht wie geschnitten haben, wissen viele schon einiges über Montage, ihr Auge ist geschulter für filmtechnische Elemente – so gewinnen die Filmgespräche an Tiefe.    

 

Ich halte fest: Die kurze Form liegt den heutigen Jugendlichen.  Und sie wissen ziemlich gut, was gefällt und wie man filmische Effekte erzielt und würdigen das gerne mit Like & Herz. Warum ist es zusätzlich aus eurer Sicht so wichtig, zusätzlich die Fähigkeit „Verstehen“ und „Lesen“ von Filmen zu verbessern?

Franziska: Uns liegt am Herzen, dass Jugendliche Filme nicht nur ansehen, sondern auch reflektieren. Bei der Masse an Filmen, seien es YouTube Clips oder Videos in sozialen Netzwerken, die täglich auf die jungen Menschen einprasseln, ist es wichtig das filmische Verständnis der Jugendlichen zu fördern. Diese Fähigkeiten können auch im Alltag helfen die essentiellen Informationen und Themen aus Videos zu filtern.  

 

Stichwort Filter: Filme können im guten wie im schlechten Sinne „manipulativ“ eingesetzt werden. Wie kann man Jugendlichen dabei helfen und sie motivieren, aus der großen Masse der täglich produzierten und auf sie einströmenden Bewegtbilder etwas Wertvolles herauszufiltern? Das klingt ja erstmal ziemlich schwierig und mühsam…   Und die Filmkultur im Netz ist ja eher impulsgetrieben.

Cindy: Wie sehr uns Film manipulieren und von der Wirklichkeit ablenken kann, zeigt uns die Filmgeschichte. Eine der ersten, die das Medium für ihre Propaganda einsetzten, waren die Nationalsozialisten. Goebbels bezeichnete das Medium des Films als „modernstes Beeinflussungsmittel“. Beeinflussen kann der Film tatsächlich und das auf vielen verschiedenen Ebenen – von der Themen- & Genrewahl bis hin zur Montage. Wer aber weiß, wie Film funktioniert, kann ihn durchschauen und der Zerstreuung entkommen.  Daher ist es unseres Erachtens extrem wichtig, dass Kids schon früh über und mit Film lernen. Aufklärung und reflektiertes Schauen ist hier das A und O. 

 

„Wer weiß, wie Film funktioniert, kann ihn durchschauen und der Zerstreuung entkommen.“

(Cindy Michel)

 

Relevant sind für euch alle Themen, die in den jeweiligen Altersgruppen eine Rolle spielen: Coming-of-age, Liebe, Vertrauen, Mobbing aber auch politisch-gesellschaftliche Themen wie Flucht, Migration, Klimaschutz. Wie mixt man aus all dem den richtigen, zeitgemäßen Cocktail? Ist das  hauptsächlich pädagogische Erfahrung oder holt ihr euch im Vorfeld auch jugendliche Unterstützung?

Franziska: Es ist eine Mischung aus unserer Erfahrung und natürlich auch dem gegenseitigen Austausch im Team. Dadurch, dass wir die gesichteten Kurzfilme miteinander besprechen, kristallisiert sich im Laufe der Vorbereitung immer deutlicher heraus, welche Filme für die Schulklassen relevant sind und welche weniger. Kernthemen wie Coming of Age und Mobbing sind generell jedes Jahr interessant für die Schulvorstellungen. Diese werden dann mit Kurzfilmen zu aktuellen Themen gemischt, um ein abwechslungsreiches Programm anbieten zu können.

 

Pro Programm zeigt ihr Pi mal Daumen zwischen 75 und 90 Minuten. Die jeweilige Vorstellung gestaltet sich unterschiedlich zwischen sechs und acht Kurzfilme. Und dann kommt ja dann noch die Diskussionszeit dazu – wie anstrengend ist das Ganze dann in der Umsetzung?

Cindy: De fakto sind es eher 55 bis 70 Minuten – bei 90 Minuten Film hätten wir keine Zeit mehr, die Filme zu besprechen. Ohne Flexibilität geht bei unseren Filmvorführungen mit Medienreferentin gar nichts. Denn jede Klasse ist anders. Meistens aber sind die Schülerinnen und Schüler so diskutierfreudig, dass wir das Filmprogramm – immer in Abstimmung mit den Lehrer*innen und Kids – sogar kürzen müssen, um der Diskussion und dem Gespräch mehr Raum zu geben. Das Spannende ist, dass sich jedes Filmgespräch anders entwickelt – jeder Mensch hat seinen eigenen Blick auf einen Film – nimmt Dinge anders wahr.

 

Wie reagierst du dann darauf?

Cindy: Ich verfahre bewusst nicht nach einem starren Prinzip beim Filmgespräch. Ich möchte den Film inhaltlich wie technisch und die Verschränkungen dieser beiden Ebenen mit den Schülerinnen und Schüler gemeinsam erarbeiten. Da kommt es schon mal vor, dass die Kids mich mit ihren Beobachtungen aus dem Konzept bringen. Aber genau das macht es ja so spannend.

 

Und wie sieht deine Vorbereitung in deiner Funktion als Medienreferentin und Medienpädagogische Begleitung konkret aus?

Cindy: Ich versuche jeden Film dreimal zu sehen. Beim ersten Mal schaue ich ihn mir einfach an, versuche das analytische Auge zu verschließen. Bei der zweiten Vorführung geht`s ans Analysieren. Ich achte auf die Filmsprache, die Erzählweise, die Technik und so weiter. Beim dritten Mal folgt die Interpretation basierend auf meiner Analyse.

 

Lieber Martin, liebe Franziska, liebe Cindy. Vielen Dank für eure Zeit und eure Antworten! Wir wünschen euch eine schöne Jubiläumswoche und ein erfolgreiches Schulprogramm.

 

Fotonachweis Textbilder © privat:  Martin Mühlich, Franziska Kränzler und Cindy Michel

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