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Aktuelles Börsengespräch mit Matthias Schmidl: „Die positive Sicht der Börsen birgt Risiken!“

Aktuelles Börsengespräch mit Matthias Schmidl: „Die positive Sicht der Börsen birgt Risiken!“

 

Der Pulverdampf der ersten großen Schlacht in der Coronakrise hat sich gelegt. Die historischen Kursverluste wurden zum Teil bereits wieder ausgeglichen. Aber die wirtschaftlichen Zeichen stehen deutlich auf Rezession, viele Branchen überleben gerade nur mit Kurzarbeit, die Exporte schwinden und die Arbeitslosigkeit steigt. Die weltweiten Ansteckungsratensteigen auch – hier in Deutschland scheint das Virus einigermaßen unter Kontrolle. Es bleiben wie immer viele Fragen für Anleger – die wir immer im aktuellen Börsengespräch klären wollen. Natürlich mit Matthias Schmidl, dem Leiter der Wertpapieranteilung der Sparkasse Regensburg. Zum ersten Mal auch LIVE und in FARBE im dazugehörigen Video.  

 

Lieber Herr Schmidl, in unserem letzten Interview, dass wir kurz nach Ausbruch der Coronakrise geführt haben, rieten Sie den Kunden der Sparkasse Regensburg: „Augen zu und durch!“ Wer sich daran gehalten hat, kann sich im Moment glücklich schätzen oder?

Naja, Herr Lutz. Zumindest liegt das Markttief hinter uns und wir haben uns mittlerweile wieder auf ein durchaus ambitioniertes Kursniveau erholt. Viele Anleger sind natürlich immer noch mit ihren Anlagen im negativen Bereich, wenn au nicht mehr mehr in den bereits gesehenen Ausmaßen. „Glücklich schätzen“ halte ich vor dem Hintergrund allerdings für etwas übertrieben.

 

 

Wenn wir auf die reinen Wirtschaftsdaten schauen, sieht die Zukunft aber eigentlich nicht so rosig aus. Viele Menschen sind in Kurzarbeit, einige Unternehmen, die schon vor der Krise wackelten, stehen am Abgrund. Innovative Geschäftsmodelle (Stichwort Sharing Economy) unterliegen in Coronazeiten einem Stresstest und Deutschlands Exporte sind massiv eingebrochen. Gehen die Börsen also im Moment von einer raschen Erholung aus – oder erleben wir da gerade einen irrationalen, vielleicht auch spekulativen Moment?

Die Börsen haben in den letzten Wochen den bestmöglichen Fall  konstruiert. Es wird von einer V-förmigem und sehr schnellen Erholung der Wirtschaft ausgegangen. Momentan erscheint dies völlig irrational und es ist schwer nachvollziehbar. Gerade wenn man wie Sie die teilweise sehr schlechten Nachrichten aus den Unternehmen hört und liest. Die positive Sichtweise der Finanzmärkte birgt natürlich ein sehr hohes Risiko in sich – und zwar, dass es nicht so kommt wie erhofft. In diesem Fall dürften die Börsen nochmals sehr volatil reagieren.

Die Bundesregierung hat in der akuten Phase großzügig Hilfen verteilt. Jetzt ist sie mit einem historisch einmaligen Konjunkturpaket „mit Wumms“ an den Start gegangen. Wird das aus Ihrer Sicht reichen? Oder muss noch weiter nachgelegt werden? Und wo stecken die Pferdefüße?

Das Konjunkturpaket der Regierung lässt nur wenig Chance zur Kritik. Natürlich kann man immer Punkte finden, die man möglicherweise besser ausgestalten hätte können, aber grundsätzlich ist das sehr ordentlich und dürfte nach heutiger Sicht auch ausreichen. Im Idealfall wird das gesamte Volumen gar nicht voll benötigt, beziehungsweise es wird von wieder anziehenden Steuereinnahmen kompensiert. Der potentielle Pferdefuß liegt in diesem Fall auf der Hand: Ein zweites Paket oder ein massives Aufstocken dürfte nur schwer finanzierbar sein. Deutschland wäre möglicherweise dazu in der Lage, aber eine zweite Welle dürfte wieder ganz Europa treffen und da könnte es schon schwieriger werden. 

Ein großes Thema ist auch die Angst vor der Inflation, respektive Deflation. Liest man sich durch die einschlägigen Wirtschaftsmedien, erfährt man eine erstaunliche Bandbreite von Meinungen und Möglichkeiten. Fakt ist aber, dass sich die im Umlauf befindliche Geldmenge seit 2009 vervierfacht hat. Wo ist dieses Geld und wie könnte es wirken?

Das ist wirklich ein spannendes Thema mit sehr vielen Facetten. Es stimmt natürlich, dass die Geldmenge massiv zugenommen hat und dadurch auf den ersten Blick die Inflationsrisiken zunehmen. Gerade im letzten Jahrzehnt nach der Finanzkrise ist dieses Geld nicht im Wirtschaftskreislauf angekommen, sondern bei den Banken „hängengeblieben“. Erst wenn das Geld in der Wirtschaft ankommt, steigt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und es kommt zu inflationären Tendenzen. Aber Sie haben ja gefragt, wo das Geld wirkt:  Aktien, Immobilien, Gold, also doch inflationär und zwar auf Ebene der Anlageklassen – neumodisch Assetinflation.

Wieder einen Fachbegriff dazugelernt! Wenn man die Flughöhe mal ein Stück hochschraubt, kann man Ansätze einer sogenannten „Deglobalisierung“ erkennen. Welche Staaten sind im Vergleich zu Deutschland hier besser oder schlechter aufgestellt? Mit welchen Startvoraussetzungen kommt man am besten durch die Krise?

Deglobalisierung wird es nach der Krise bestimmt geben, aber meiner Meinung nach nur in Bereichen, in denen der Staat die Führung übernimmt. Also beispielsweise im Bereich Pharma oder Gesundheitstechnik. In den anderen Bereichen werden die Marktkräfte wieder die Oberhand gewinnen, auch wenn man es per heute noch nicht glauben mag. 

Zum Schluss noch eine Frage, die sicher den Kunden die Werpapiere halten unter den Nägeln brennt. Wie geht es nach „Augen zu und durch“ jetzt weiter? Portfolio halten und ausbauen, Aktien umschichten oder abstoßen? Haben Sie einen guten Tipp parat? 

Wie ich bereits kurz angemerkt habe, halte ich die Aktienmärkte derzeit für sehr ambitioniert bewertet. Ich denke wir sollten nochmal ein ganzes Stück zurückkommen und dann gilt ganz klar: Aktienpositionen an schwachen Tagen im Portfolio aufbauen!

Das klingt doch nach Perspektiven schwierigen Zeiten! Vielen Dank Herr Schmidl für das wie immer sehr informative Gespräch.

 

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