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Aktuelles Börsengespräch mit Matthias Schmidl: „Einen langen Atem mitbringen“

 

2018 war ein schwieriges  Börsenjahr. Am Ende schlug im DAX ein deutliches Minus zu Buche. Aber wie heißt es doch so schön? Neues Jahr, neues (Börsen-)Glück! Dummerweise sind die Aussichten gerade alles andere als rosig. Politische Risiken drohen  und einige wichtige Wirtschaftsdaten verhageln den Börsianern die Laune. Da fragt sich so mancher Anleger, ob er lieber auf bessere Zeiten wartet. Vielleicht wäre aber gerade auch ein guter Zeitpunkt für einen cleveren Einstieg? Wenn einer auf diese und andere Fragen gute Antworten weiß, dann natürlich Matthias Schmidl, der Leiter der Wertpapierabteilung der Sparkasse Regensburg. Höchste Zeit für unser erstes  Börsengespräch 2019! 

 

Lieber Herr Schmidl, 2018 war die Konjunktur auf einem Fünf-Jahres-Tief. Grund dafür sind unter anderem die schwächelnde Autoindustrie und die sich abkühlende globale Konjunktur. Muss die seit 10 Jahren boomende deutsche Wirtschaft sich Sorgen machen und frühzeitig gegensteuern? Oder sind die fundamentalen Daten (Arbeitsmarkt, Beschäftigung, Löhne, Auftragslage) nach wie vor positiv?

Grundsätzlich sind die fundamentalen Daten weiterhin positiv, allerdings müssen wir uns die nächsten Jahre mit einem geringeren Wachstum abfinden. Die Lage am Arbeitsmarkt wird weiter angespannt bleiben, auch die Löhne werden weiter steigen. Die Auftragslage bleibt gut, aber eben nicht extrem expansiv wie bisher. Wir wechseln also von der Überholspur auf die rechte Spur, behalten aber eine vernünftige Geschwindigkeit.

 

An den Märkten virtuell scheinbar eingepreist aber real (nach Ablehnung des mit der EU ausgehandelten Vertrages) nach wie vor zu bewältigen, sind politische Risiken wie der Brexit und die Handelskonflikte zwischen China, Europa und den USA. Für den Laien ziehen sich diese Konflikte wie Kaugummi – scheinbar ohne konkrete Folgen. Wann wird die Lage wirklich ernst?

Der Vergleich mit dem Kaugummi ist sehr treffend. Erste Folgen sehen wir bereits, wenn auch nicht auf den ersten Blick. Die Wachstumsraten in China und den USA sind bereits rückläufig, in Großbritannien sind die Unternehmen beidseits hochnervös was die Zukunft betrifft. So gesehen ist die Lage schon ernst. Einzig positiv stimmt mich, dass bei den besagten Konflikten alle beteiligten Parteien bereit sind Lösungen zu finden. Trump nutzt den Handelsstreit als seinen eigenen Spielball, um die politischen Druck auszuüben, wird aber aus Eigeninteresse keine Eskalation zulassen. Ja gut – in Sachen Brexit und Großbritannien: Immerhin wissen die Briten wenigstens schon mal was sie nicht wollen. Aber auch hier wird es eine wie auch immer geartete Lösung geben.

 

Seit unserem letzten Gespräch im Sommer 18 lag der DAX gut 2000 Punkte höher. Wichtige Haltelinien sind in den vergangenen Monaten gerissen, vor allem die FAANG Aktien kamen stark unter Druck. Doch jetzt sieht es nach einer zarten Erholung aus, die 11.000 Punkte sind geschafft. Ein guter Zeitpunkt um einzusteigen? Oder besser den anziehenden Goldpreis nutzen?

Langfristig können diese Kurse zum Einstieg genutzt werden, kurzfristig können wir niedrigere Kurse nicht ausschließen. Von daher gilt die Empfehlung: In Schwächephase zukaufen und eine langen Atem mitbringen. Gold konnte bereits von den Unsicherheiten profitieren und dürfte die schwierigste Phase hinter sich haben. Aber Vorsicht: Gold hat aktienähnliche Schwankungen und das Währungsrisiko ist auch nicht zu unterschätzen, zumal wir in nächster Zeit einen stärkeren Euro erwarten.

 

Die Niedrigzinsphase dauert in Europa weiter an. Sparer machen inflationsbereinigt nach wie vor ein Minus, wenn sie nur auf Festgeld & Co setzen. Andererseits hilft das der Binnenkonjunktur, falls das Weltwirtschafts-Klima rauer wird. Verhält sich die EZB aus Ihrer Sicht klug? Oder ist es ein Spiel mit dem Feuer?

Das Zeitfenster für einen möglichen Ausstieg aus der Null-Zinspolitik war eigentlich nicht gegeben und wäre an den Finanzmärkten sehr negativ angekommen. Die EZB sorgt für Systemstabilität und somit verhält die EZB sich definitiv klug. Natürlich stimmt es, dass die Möglichkeiten einer möglichen Konjunkturabkühlung gegenzuwirken, sehr gering sind. Aber wie bereits beschrieben erwarten wir nur eine Normalisierung der Wirtschaftsleistung, sodass ein massives Eingreifen der Notenbank nicht nötig sein dürfte. Zinserhöhungen hingegen dürften in weite Ferne gerückt sein.

 

Ein wenig aus dem Fokus geraten ist die Situation bei den europäischen Banken. Die Deutsche Bank hat 2018 gerade mal so viel Gewinn gemacht, wie JP Morgan in fünf Tagen verdient. Die dänische Danske Bank ist in einen großen Geldwäsche-Skandal verwickelt, die EZB macht sich Sorgen um die Lage der italienischen Bank Monte-die-Paschi. Wie vorbereitet sind unsere Geldhäuser auf eine etwaige Abkühlung der wirtschaftlichen Lage?

Kurzum, europäische Banken haben es weiterhin schwer Geld zu verdienen. Wie gesagt Abkühlung ist nicht so schlimm, das haben die Banken im Kreuz. Rezession wäre da schon schwerer zu verkraften, aber das erwarten wir auf kurze Sicht ja nicht.

 

Zum Schluss bitte noch eine persönliche Einschätzung zum Jahresanfang. Was bietet 2019 dem geneigten Anleger – mehr Chance als Risiko? Oder sind die Bären los?

Der Jahresstart ist ja bereits sehr positiv, was aber den verheerenden Kursverlusten am Jahresende 2018 zu zurechnen ist. Die Schwankungsbreite dürfte dieses Jahr aller Voraussicht nach hoch sein. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir im Verlauf des Jahres die 10.000 Punkte Marke im Dax von unten ansehen müssen, aber durchaus auch über die 12.000 Punkte steigen können. Fakt ist aber, dass an der langfristigen Aktienanlage nichts vorbeiführt. In Schwächephase heißt es also Nerven bewahren und Bestände aufbauen oder nachkaufen. Schreibt man die Gewinnentwicklung der Unternehmen für die nächsten Jahre fort, muss man kein Hellseher sein, um einen Daxstand von 20-25.000 Punkten in zehn Jahren zu prognostizieren.

 

Vielen Dank, Herr Schmidl. Dann bleiben wir am besten cool und bewahren Ruhe!

 

 

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