SPARKASSE SPORT: Power und Prothese!

von Felix Plinke am in Inspirieren ist einfach, Miteinander ist einfach1 Kommentar

Ein neuer Tag beginnt. Die Sonne ist erst vor einigen Minuten am Horizont aufgetaucht. Ich döse noch. Es ist 6:43 Uhr und der Wecker klingelt. Heute muss ich etwas früher aufstehen, da ich mich mit einem schnellen jungen Mann treffe. Wir sind gleich auf einem Sportplatz in der Nähe der Donau verabredet. Ich kenne ihn bereits von einigen Wettkämpfen, wir starten sogar für den gleichen Verein. Sein Name: Veit Shopper. Warum ich mich so auf das frühe Training freue? Veith ist kein gewöhnlicher Athlet. Veit ist ein Prothesenläufer. Gerade in einer Zeit, in der rund um die Olympischen Spiele die Diskussionen (z.B. um die Olympia-Teilnahme des Weitspringers Markus Rehm) hochkochen, will ich mir mein eigenes Bild machen. Wie gut ist die Technik schon heute? Und ist es tatsächlich möglich, dass einem eine Prothese Vorteile im Spitzensport verschafft?

StartWir starten mit einem leichten Aufwärmprogramm. Das beinhaltet drei bis vier Runden locker einlaufen, leichte Dehn- und Koordinationsübungen. Das was jeder so macht: Standardprogramm. Einschränkungen: Keine! Und es geht rasch weiter. Zu Beginn stehen erst einmal ein paar Sprints auf dem Plan. Aus dem Stand und dann aus dem Block. Das ist auch für mich ungewohnt. Ich bin eher der Stehstarter. Mein Problem ist: Ich stolpere und falle mehr aus dem Startblock heraus, als wie geplant abzuspringen und loszurennen, wie eine wilde Raubkatze. Jetzt merke ich auch bei meinem Sprintkollegen, dass etwas anders ist. Aus dem Startblock springen ist für ihn nicht ganz so einfach. Damit das Laufen jedoch so gut wie möglich geht und es so nah wie möglich an den Ablauf eines natürlichen Laufens rankommt, trägt Veit eine High-Tech-Prothese. Sie wird von Mikroprozessoren gesteuert, bei der über viele Sensoren die menschliche Bewegung nachgeahmt wird. Dazu kommen für die vielen verschiedenen Anforderungen auch passende Aufsätze für die Füße: Einen Aufsatz für den Alltag, einen für das Laufen und einen mit einem Spikesbrett drunter. Dieses Paket kostet schnell mal zwischen 10.000€ und 13.000€. Das ist schon ein Batzen Geld!

Run2Zurück zum Training. Nachdem ich mich warm gemacht habe, will Veit ein paar Tempoläufe mit mir absolvieren. Das klingt schon mehr nach meinem Geschmack. Es soll eine schöne Pyramide werden. Wir fangen mit 300m an und steigern uns dann in 100m Schritten. Das machen wir bis 500m. Danach geht das Spiel wieder in die andere Richtung. Der normale Wahnsinn in der Leichtathletik. Veit ist eben auch verrückt, im positiven Sinne. Ich hatte gehofft, dass das Training nicht so anstrengend wird, aber Veit macht mir ganz schön Druck. Er trainiert ja auch fünfmal die Woche. Per Definition ist er damit ein Leistungssportler. Das Pensum ist für ihn selbstverständlich. Sein großer Traum sind die Paralympics 2020. Vorher muss er sich jedoch „klassifizieren“ lassen, damit er in der richtigen Gruppe starten darf. Veit wird in die Gruppe T42 eigestuft – der Gruppe „einseitige Oberschenkel-Amputation“ oder „kombinierte Arm-/Bein- Amputationen“.

RunDies ist bei ihm auch der Fall. Im Alter von sechzehn Jahren wurde er beim Motorradfahren von einem Auto erfasst. Seitdem hat Veit nur noch ein Bein und seinen linken Arm kann er nicht mehr bewegen. Seinen großen Traum möchte der junge Sprinter jedoch bei den Paralympischen Spielen erfüllen. Die ganze Diskussion um die Gleichberechtigung sieht er relativ nüchtern. Für ihn persönlich lassen sich die Leistungen und die Vor- und Nachteile nicht wirklich vergleichen. Eine Inklusion macht für ihn an dieser Stelle deshalb wenig Sinn. Er findet, Sportler mit körperlichen Behinderungen sollten bei den Paralympics starten und Sportler ohne eine Beeinträchtigung bei den Olympischen Spielen. Sie sollen sich bei anderen Wettkämpfen duellieren, die es vielleicht irgendwann in der Zukunft geben wird. Mensch und Maschine! Aber die Forschung ist noch nicht so weit. Die Meinung finde ich gut, ich sehe das ganz ähnlich. Wir versuchen ja gerade, jede Form von Doping im Spitzensport zu verhindern. Wo ist denn der Unterschied, ob ich mir mit Epo oder einem kleinen Elektromotor einen Vorteil verschaffe? Und welcher Wissenschaftler kann bis dato mit Gewissheit sagen, wann wieder echte Chancengleichheit hergestellt ist? Die Entwicklung ist spannend zu beobachten, so viel steht fest. Wer weiß, was die Zukunft auf diesem Gebiet noch alles bringt.

ProtheseTrotz meiner Ausschweifungen und vielen Fragen, ist unsere Einheit mittlerweile auch zu Ende. Einen großen Unterschied habe ich nicht verspürt. Dafür bin ich viel zu platt, es war ganz schön anstrengend.  Zum Schluss bleibt mir nur eine Verneigung. Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, nach so einem tragischen Unfall. Danach den Mut zu fassen weiter Sport zu treiben und dies später auch als Job machen zu wollen, das hat meinen großen Respekt. Eine Prothese ist eine krasse Hightech-Maschinerie und Veit ein echter Vollblut-Sportler. Ganz egal, wo und wann er startet. Der Wille und die Kraft sind es, die zählen. Physisch, wie mental. Im Sport, wie im Leben, das kann man gar nicht trennen!

Wie immer ganz herzlich,

Euer Plinkelix!

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Ein Kommentar

  1. Fine sagt am 11. Januar 2017 um 16:11 Uhr

    Ich finde das war ein sehr schöner Artikel. Ich bin froh, dass wir mittlerweile schon sehr gute Prothesen haben, die Menschen viel weiterhelfen. D <a href='http://www.medisan-ot.de/#!orthop-die-und-rehatechnik/c1vw1' rel="nofollow">ie Orthopädietechnik</a> ist echt ein spannendes und faszinierendes Thema.

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