SPARKASSE KUNST: Interview mit Florian Topernpong – „Die Köpfe der Anderen“

von Elke Pitzl am in Inspirieren ist einfach, Miteinander ist einfachKommentieren

Wir haben drei junge Künstler aus Regensburg gebeten, drei Besprechungs-Räume in unserer Zentrale in der Lilienthalstraße neu zu gestalten. Idee und Auftrag des Kunstbeirats der Sparkasse Regensburg war dabei: nicht nur Kunst in Räume hängen – sondern Räume in Kunst zu verwandeln. Die innovativen Lösungen der Künstler haben uns überrascht und zugleich begeistert – Grund genug, um jeden von ihnen einzeln zu einem Interview für unsere Blog-Kolumne „SPARKASSE KUNST“ zu bitten. Den Anfang macht Florian Topernpong.

 

TheWall

 

Mit seinem, von seiner Lebensgefährtin Gisela Goppel wunderschön illustrierten Kochbuch hat Florian Toperngpong vielen Menschen die Erinnerung an das legendäre Regensburger Restaurant Baanthai wachgerufen. „Kochen und gemeinsames Essen bedeuten Lebensfreude, Zuneigung, Zugehörigkeit, Geselligkeit und Kultur. Kurz gesagt, gibt das Essen dem Dasein seine Würze und Würde“, malt Toperngpong seine Leidenschaft für die thailändische Küche aus. Toperngpong auf den Herd zu reduzieren, ist viel zu kurz gedacht. „Ich bin Gestalter, Künstler, Autor und Konzepter. Manchmal auch Schauspieler, Regisseur und Workshopleiter. Ich bin jemand, der sich ungern auf etwas festlegt. Wahrscheinlich, weil ich mich schnell langweile, gerne neue Wege gehe und wissenshungrig bin.“ Das war sicher auch Motivation dafür, eine große Papier-Arbeit für die Sparkasse Regensburg umzusetzen. Vom Kunstbeirat der Sparkasse Regensburg beauftragt, hat er jetzt die komplette Rückwand eines Besprechungsraumes gestaltet. „Die Köpfe der Anderen“ ist der Titel von Florian Toperngpongs Arbeit. Mitarbeiter der Sparkasse haben dabei eine tragende Rolle. Ihre Porträtfotos sind zusammen mit Zitaten Vorlagen für seine Scherenschnitte.

 

Herr Toperngpong, welches Konzept steckt denn hinter dieser Idee?

 

Mir gefällt die Idee, dass es sich um eine Arbeit handelt, die ortsspezifisch ist und nur in den Räumen der Sparkasse funktioniert. Die Leute, die den Ort Sparkasse mit ihrer Persönlichkeit und ihren teils sehr unterschiedlichen Lebensauffassungen prägen, sind an dieser Wand verewigt. Somit prägt der Raum die Menschen und die Menschen den Raum – das ist es, was die vorliegende Arbeit visualisieren will. Letztlich geht es auch darum zu zeigen wie unterschiedlich Menschen sind – äußerlich aber auch „im Kopf“. Im besten Fall haben die Abgebildeten Spaß sich in der Collage wiederzufinden, und verorten sich innerhalb dieses analogen Netzwerkes. Denn dadurch, dass alle Sätze und Silhouetten miteinander mittels Stegen verbunden sind, ergibt sich ein organisches, visuelles „social network“.

 

Shot

 

Sie beschäftigen sich mit Gestaltung in vielfältigster Form. Eine komplette Wand künstlerisch zu gestalten kommt in Ihrem Berufsalltag wahrscheinlich nicht so häufig vor. Welche Herausforderungen steckten für Sie in diesem Projekt?

 

Zuvorderst war da die banale Herausforderung des begrenzten Platzes. Denn da ich die Arbeit im Ganzen entwerfen, skizzieren und schneiden wollte, brauchte ich schon mal eine freie Wand von 6 Metern Länge und 3 Metern Höhe und nochmal den gleichen Platz an freier Bodenfläche um das Papier schneiden zu können. Das ging in meinem Büro schon mal nicht. Die zweite Herausforderung besteht in der analogen Umsetzung. Als Gestalter ist man heutzutage gewohnt verschiedenste Varianten visualisieren zu können – größer, kleiner, das gleiche in rot – alles kein Problem. Jeder Fehlgriff kann fast beliebig weit rückgängig gemacht werden. Das ist beim analogen Arbeiten und gerade beim Scherenschnitt nicht  möglich. Eine kleine Unachtsamkeit rächt sich. Oder wie Beuys gesagt hat: „Jeder Griff muss sitzen.“

 

Auch ist man dem Material gnadenloser ausgeliefert. Wie sich eine Papierbahn von 6 Metern verhält, nachdem sie verklebt wurde, dass muss man erstmal erfahren. Da rückt man ein Ende gerade und am anderen Ende verzieht sich alles. Da kommt man sich mitunter vor, wie in einem Slapstick mit Buster Keaton.

 

Aufnahme

 

Scherenschnitte haben in der Kunst eine sehr lange Geschichte. Was reizt Sie an dieser traditionellen Technik?

 

Interessant finde ich, dass in dieser extremen Abstraktion so viel an Wiedererkennbarkeit einer Person steckt. Denn eigentlich beschreibt die Silhouette ja nur eine Linie, welche Dreidimensionalität, Farbe, Textur, Licht usw. bewusst ausklammert. Wie ein Fingerabdruck ist ein Scherenschnitt dennoch einzigartig und unverkennbar.

Was macht Ihre Scherenschnitte besonders?

 

Als Bild-Text-Gestalter verbindet meine Herangehensweise die Komponenten textlicher Inhalt, typografische Umsetzung und Abstraktion der Bildebene. Im Gegensatz zu klassischen Scherenschneidern skizziere ich digitale Schriftentwürfe, die am Rechner entstanden sind und bringe sie erst im zweiten Schritt mit dem analogen Handwerkszeug auf Papier. Auch ist die schiere Größe der Arbeit wohl eher ungewöhnlich.

 

Künstlerportrait

 

Bleiben Sie in Ihrer Arbeit dem Scherenschnitt treu? Welche künstlerischen Projekte stehen denn in der nächsten Zeit bei Ihnen an?

 

Ich bin ein Chamäleon und lasse mich ungern auf einen Stil festlegen. Verstehen Sie das nicht falsch: ich bewundere Künstler, die sich ihr Leben lang mit einer künstlerischen Technik befassen und die Ausdrucksmöglichkeiten dieses Mediums zur Meisterschaft treiben – manche sogar darüber hinaus gehen und neue Techniken und Umsetzungsmöglichkeiten schaffen, die zur neuen Grammatik des jeweiligen Mediums werden. Mich allerdings interessieren die jeweiligen formalen Herangehensweisen und Ästhetiken nur insoweit, als dass ich darin stets die geeigneten Vehikel für meine Inhalte suche. So ist mein nächstes künstlerisches Projekt bezeichnenderweise auch keine bildnerische Arbeit, sondern ein Theaterstück.

 

Lieber Florian Topernpong, vielen Dank für Ihre großartige Arbeit und das gute Gespräch!

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