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Doppelinterview: Wertverlust erfordert Alternativen zum Sparen

Wer dachte, dass die Zinsen nicht weiter fallen können, den hat die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrer  Sitzung am 4. September 2014 eines Besseren belehrt. Mit ihrer Leitzinssenkung auf rekordniedrige 0,05 Prozent sind auch die Marktzinsen noch weiter nach unten gerutscht. Deutsche Anleger stehen nun vor einem Problem: Die Zinsen für Anlagen in sichere, festverzinsliche Produkte, wie Termingelder und Spareinlagen sind niedriger als die mittelfristig erwartete Inflationsrate. Damit ist die reale Verzinsung, d. h. Zinsen minus Inflation, negativ. Das angelegte Geld verliert also stetig an Kaufkraft. Für deutsche Sparer bedeutet das eine neue Runde im Kampf um den Vermögenserhalt.

Wir haben Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, und Matthias Schmidl, zuständig für das Wertpapiergeschäft  der Sparkasse Regensburg,  zu den Auswirkungen der EZB-Politik auf deutsche Anleger befragt.

 

Herr Dr. Kater, wie hoch sind die Effekte der aktuellen Niedrigzinsen auf deutsche Sparer? Kann man das verlässlich abschätzen?

 

Dr. Ulrich Kater: Wirtschaftliche Statistiken sind niemals exakt. Aber man kann Richtungen aus ihnen ablesen. Wenn man die Zahlen der Bundesbank zur Zusammensetzung des Geldvermögens der deutschen Haushalte zugrunde legt und dies mit den aktuellen Marktzinsen abgleicht, sehen wir, dass von den rund fünf Billionen Euro an Geldvermögen derzeit etwa zwei Billionen von den Niedrigzinsen besonders negativ betroffen sind – Tendenz steigend.

 

Was bedeutet „betroffen“ hier konkret?

 

Dr. Ulrich Kater: Es bedeutet, dass die Zinserträge, die mit diesen Anlagen zu erzielen sind, unterhalb der mittelfristigen Inflationsrate liegen. Damit kommt es zwar zu einem kleinen nominalen Wachstum des Ersparten auf dem Tagesgeldkonto oder Sparbuch. Auf längere Sicht verliert das Geld aber mehr an Kaufkraft, als durch die Zinsen hinzukommt. Real betrachtet findet also ein schleichender Vermögensverlust statt. Wie hoch der für deutsche Sparer insgesamt ist, hängt von den Annahmen zur Inflationsentwicklung und den bestehenden Zinsverträgen ab. Selbst vorsichtige Schätzungen gehen aber in die Milliarden. In einer Unter-suchung der DekaBank haben wir den wahrscheinlichen Verlust auf rund 14 Milliarden pro Jahr taxiert. Sollte die Niedrigzinsphase noch weiter andauern, nimmt das Schadenpotenzial sukzessive zu. Dann reden wir in den kommenden Jahren schnell über mehr als 31 Milliarden Euro jährlich.

 

Herr Schmidl, teilt die Sparkasse Regensburg diese Einschätzung? Wie sehen Sie das mit Blick auf Ihre Kunden?

 

Matthias Schmidl: Auch bei der Sparkasse Regensburg können wir diesen schleichenden Verlust feststellen, sogar mit steigender Tendenz. Im Zuge der Finanzkrise haben viele Kunden ihr Geld festverzinslich angelegt. Damals lag das Zinsniveau für nahezu risikolose Anlagen bei 3 bis 4 % p.a., was für einen konservativen Anleger sehr zufriedenstellend war. Heute ist die Situation grundlegend anders. Viele Anleger haben sich darauf noch nicht eingestellt und legen freiwerdendes Kapital meist auf dem ohnehin schon gut gefüllten Tagesgeldkonto an. Der von Dr. Kater beschriebene Effekt wird dadurch noch verstärkt. Derzeit hören wir schon von Banken, die von ihren Kunden eine Verwahrgebühr für angelegtes Geld verlangen, was nichts anderes als einen Negativzins bedeutet.

Es gilt also, über Alternativen nachzudenken.

 

Aber gibt es denn im Moment überhaupt welche?

 

Matthias Schmidl: Selbstverständlich. Es gibt ein breites Feld an potentiellen Anlagealternativen. Aufgrund des aktuellen Zinsniveaus scheiden Sparanlagen und deutsche Bundesanleihen aber aus. Aus Sicht des deutschen Finanzministers ist die derzeitige Situation traumhaft: Deutschland kann sich derzeit mit unter 1 % p.a. bei einer Laufzeit von 10 Jahren verschulden und real auch entschulden. Aus Sicht des Anlegers ist diese Anlageform damit jedoch uninteressant geworden.

Innerhalb des Rentenmarktes gibt es durchaus noch interessante Optionen. Hier muss man aber über die Grenzen Deutschlands hinaus schauen und unter Umständen gewisse Währungsrisiken eingehen.

Auch die Anlageklasse Immobilien kann noch attraktive Renditen aufweisen. Erscheinen Wohnimmobilien derzeit an vielen Standorten als sicher nicht mehr billig, kann man bei Gewerbeimmobilien noch nicht von einem überhöhten Preisniveau sprechen.

Als aussichtsreichste und wohl attraktivste Anlageklasse erscheint mir aber derzeit der Aktienmarkt.

 

Dazu kommen wir gleich noch. Dr. Kater, warum liegen die Zinsen derzeit unterhalb der Inflationsrate? Die Kapitalmärkte preisen doch üblicherweise die aktuelle und die zukünftig erwartete Inflationsrate ein. Warum sind die Anleger bereit, solch niedrige Zinsen zu akzeptieren?

 

Dr. Ulrich Kater: Hierfür gibt es mehrere Gründe. Herr Schmidl hat ja bereits einige genannt. Viele Privatanleger sind nach den Kapitalmarktturbulenzen der vergangenen Jahre gebrannte Kinder. Aktuell kommen noch die geopolitischen Risiken, etwa in Osteuropa oder im Nahen Osten als Sorgenfaktoren hinzu. Anleger wollen jetzt nur noch Sicherheit, egal zu welchem Preis. Als absolut sicher gelten weiterhin Bankeinlagen und deutsche Staatsanleihen.

Aber auch für Banken und andere institutionelle Anleger wie beispielsweise Versicherer gibt es aufgrund der verschärften Regeln des Staates für den Finanzsektor (höhere Eigenkapitalanforderungen) gute Gründe, auch zu niedrigen Zinsen Staatsanleihen zu kaufen. Diese müssen nämlich nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Dazu kommt: Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt den Banken viel Geld zu rekordniedrigen Zinsen zur Verfügung, will dafür aber als Sicherheit Staatsanleihen. Auch das ist ein Anreiz für die Banken, Staatsanleihen trotz der niedrigen Verzinsung zu erwerben.

 

Was bedeutet das konkret für die Sparer?

 

Dr. Ulrich Kater: Zwar ist die Inflation zurzeit sehr gering, in Deutschland etwa noch bei knapp einem Prozent. Wir rechnen aber damit, dass sie mittelfristig im Bereich von einem bis zwei Prozent liegen wird. Setzt man für die Durchschnittsverzinsung sicher angelegter Gelder etwa zwischen 0,5 bis einem Prozent pro Jahr an, so verliert das angelegte Geld Jahr für Jahr etwa ein Prozent an Kaufkraft.

 

Ein Prozent? Das ist viel Geld. Herr Schmidl, sehen Sie das genauso dramatisch?

 

Matthias Schmidl: Das ist leider so, wie Herr Kater sagt. Wir haben an den Kapitalmärkten eine völlig neue, nie dagewesene Situation. Das hat zur Folge, dass jeder Kunde sich mit diesen außergewöhnlichen Rahmenbedingungen  beschäftigen und sich klar werden muss, wie er mit dieser Lage umgehen möchte.

Kunden, die bisher ohne Risiken angelegt haben, müssen akzeptieren, dass das Zinsniveau bei 0 % liegt und sie nach Abzug der Inflationsrate real Geld verlieren.

Dieser Effekt ist auf kurze Sicht noch zu vernachlässigen, kann aber auf mittel- bis langfristige Sicht die Kaufkraft erheblich schwächen. Das Geld wird nicht weniger, aber aufgrund der Inflation kann nach einiger Zeit nicht mehr das gleiche Gut erstanden werden wie heute.

Wer höhere Renditen erzielen will, muss höhere Risiken eingehen, was aber automatisch mit einer höheren Schwankung des Vermögens verbunden ist.

 

Wie lange wird die Niedrigzinsphase weitergehen?

 

Dr. Kater: Sie wird so lange andauern, wie die europäischen Volkswirtschaften noch auf ihren Schuldenbergen sitzen, die auch zur Finanzkrise geführt haben. Leider dauert das wohl noch mehrere Jahre. Die Privatanleger können sich mit diesem Schicksal abfinden, dass sie mit ihrem Geld den Abbau der hohen Staatsschulden mitfinanzieren. Sie können aber auch gemeinsam mit ihrem Berater bei der Sparkasse nach Alternativen suchen.

 

Herr Schmidl, welche konkreten Möglichkeiten hat man denn als Privatanleger, den Niedrigzinsen zu entkommen? Sie haben bereits den Aktienmarkt genannt. Der ist aber bei deutschen Anlegern ziemlich unbeliebt…

 

Matthias Schmidl: Wohl wahr. Leider hat sich in Deutschland noch keine Aktienkultur wie zum Beispiel in den USA etablieren können. Die Deutschen sehen in einer Anlage in Aktien immer noch eine Spekulation. Ein Grund dafür sind die Jahre 1999 bis 2003, als am Aktienmarkt völlig irrational und spekulativ gekauft wurde und in der Folge die Kurse massiv einbrachen und viele Privatanleger ihr Geld verloren.

Heute sind Aktien mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis jedoch fair bewertet und um ein Vielfaches günstiger als alternative Engagements am Immobilien- oder Rentenmarkt.

Wichtig ist immer, auf eine ausreichende Streuung der Aktien zu achten und den Fokus nicht ausschließlich auf Deutschland zu setzen, sondern weltweit zu investieren. Wer mit geringeren Schwankungen am Aktienmarkt investieren möchte, kann einen Blick auf konservative Dividendentitel werfen. Diese schwanken in der Regel weniger als die Gesamtmärkte. Um das Risiko eines ungünstigen Einstiegs zu minimieren, sollten die Käufe ratierlich erfolgen und gegebenenfalls eine monatliche Zuzahlung gewählt werden.

Zuerst sollte die individuelle Situation möglichst genau mit dem Vermögensberater analysiert werden. Erst danach sollte man eine Anlageentscheidung treffen.

 

Aber ohne ein höheres Risiko geht nichts?

 

Matthias Schmidl: Nun. Zunächst gilt es zu entscheiden, ob  man bereit ist, Schwankungen des Vermögens zu akzeptieren. Wird diese Frage von unseren Kunden mit „Ja“ beantwortet, öffnet sich ihnen sozusagen die Welt der Wertpapiere. Dies können höherrentierliche Rentenanlagen, Immobilienfonds und natürlich auch Aktien sein. An diesem Punkt gilt es, gemeinsam mit dem Berater anhand der persönlichen Risikoneigung die Mischung dieser Anlageklassen zu erarbeiten. Wichtig ist zu verstehen, dass durch die unterschiedliche Entwicklung dieser Anlageklassen das Gesamtrisiko für den Kunden sinkt. So kann zum Beispiel durch eine geringe Beimischung von Aktien das Gesamtrisiko sogar verkleinert werden. Ab diesem Zeitpunkt muss man das Gesamtportfolio beachten und nicht mehr nur die einzelne Anlage. Aber ein bestimmtes Restrisiko bleibt natürlich immer. Dem stehen jedoch auch potentiell attraktive Chancen gegenüber, die man in dieser Qualität im Augenblick nirgendwo anders findet.

 

Herr Kater, Herr Schmidl, wir bedanken uns für dieses Gespräch!

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