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DEKA CORONA UPDATE: Welt-Wirtschaftskrise aber keine Welt-Finanzmarktkrise

DEKA CORONA UPDATE: Welt-Wirtschaftskrise aber keine Welt-Finanzmarktkrise

 

Gemessen an der Entwicklung der Corona Neuinfizierten findet derzeit global eine Zweiteilung statt: In den Industrieländern sinkt die Anzahl der Neuinfizierten. In manchen dieser Länder liegen die Werte im zweistelligen Bereich (Österreich, Schweiz, Japan). In mehreren Schwellenländern hingegen werden fast täglich neue Höchststände bei den täglichen Neuinfizierten gemeldet. Diese zweite Entwicklung sorgt dafür, dass im Trend weltweit die Anzahl der täglichen Neuinfizierten immer noch leicht zunimmt. Waren es in der Hochphase von Europa und den USA Anfang April noch ca. 80.000 Personen werden nun gut 90.000 Personen gezählt. Ca. 70 % dieser Neuinfizierten werden außerhalb Chinas, Europas und den USA festgestellt. (1)  Für die Erholungsgeschwindigkeit der Wirtschaft der Industrieländer sind diese Entwicklungen nicht unkritisch, denn sie können dazu beitragen, dass es beispielsweise bei den Lieferketten noch länger als bislang erwartet Probleme geben wird. Angesichts der rückläufigen Zahlen bei den Neuinfizierten haben nahezu alle Industrieländer (und auch mehrere Schwellenländer) begonnen, die Restriktionen zurückzunehmen. Gemessen an den Restriktionsindikatoren der Universität Oxford sind die Restriktionen am deutlichsten in Italien und Österreich zurückgenommen worden. Deutschland befindet sich im europäischen Mittelfeld. Auffallend ist Schweden. Hier haben die Restriktionen gegen Corona nie das Ausmaß wie in anderen Ländern erreicht und daher besteht dort bislang auch keine Eile, diese geringeren Restriktionen zurückzunehmen. (2)

 

 

Auswirkungen auf Konjunktur und Unternehmen

Die US-Einzelhandelsumsätze sanken im April gegenüber dem Vormonat um 16,4 % und damit deutlich stärker als vom Konsens erwartet. Die Industrieproduktion fiel um 11,2 % mom. Die Konjunkturdaten aus China sahen besser aus, da das Land in der Verarbeitung der Corona Krise bereits weiter ist. Die Industrieproduktion legte um 3,5 % zu und die Einzelhandelsumsätze gaben um 7,5 % nach. Am Freitag werden die wichtigen Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone veröffentlicht. Die Regierungschefs von Deutschland und Frankreich, Merkel und Macron, planen einen 500 Mrd. Euro schweren Wiederaufbaufonds für die europäische Wirtschaft. Dieser soll den besonders hart betroffenen Ländern Geld zukommen lassen. Entgegen der Erwartungen sollen dies Zuschüsse und keine Kredite sein. Einige Staaten, u.a. Österreich und die Niederlande, haben sich daher skeptisch geäußert. Die Mitte März in Kraft getretenen Verbote von Aktien-Leerverkäufen in Frankreich, Italien, Spanien und Österreich sind ausgelaufen. Das Biotechnologieunternehmen Moderna meldete positive Testergebnisse für einen Corona Impfstoff. Am Folgetag wurden allerdings Zweifel an der Studie laut. Das Medikament Remdesivir scheint kurz vor einer Zulassung in der EU zu stehen. Walmart meldete überraschend gute Zahlen und profitierte dabei von Hamsterkäufen der Konsumenten und dem boomenden Online-Geschäft. Die Zahlen stehen damit sinnbildlich für die gravierenden Veränderungen weg vom stationären Handel hin zum Versandgeschäft. Trotz der erfolgten Lockerungen zeichnet sich keine Normalisierung des Konsums ab. Aber auch im Internet profitiert nicht jedes Unternehmen. Während die Facebook, Amazon, Netflix, Microsoft, Google oder Zoom ge-winnen, verlieren prominente Vertreter der „Sharing Economy“ wie AIRBNB, WeWork, Uber oder Lyft aufgrund der sozialen Distanzierung. Ähnlich wie viele Fluggesellschaften (u.a Air Canada, Emirates, IAG) haben sie massive Entlassungen ange-kündigt und kämpfen um die Zukunft ihres Geschäftsmodells. Die US-Regierung verschärft weiter schrittweise den Konflikt mit China. Anscheinend dürfen einige Halbleiter nicht mehr nach China verkauft werden. Details sind noch unklar.

 

Auswirkungen auf die Kapitalmärkte / Aktuelle Einschätzung des Makro Research

Mit ihrer schnellen Erholung von den März-Tiefständen haben die Risikomärkte, vor allem die Aktienmärkte, das Risiko, dass es im Zuge der Corona Krise auch zu einer Finanzmarktkrise kommen könnte, wieder ausgepreist. Und tatsächlich stellt sich die Finanzierungs- und Liquiditätssituation an den Märkten angesichts des Ausmaßes der wirtschaftlichen Krise äußerst entspannt dar. Das Corona Virus hat somit eine Welt-Wirtschaftskrise aber keine Welt-Finanzmarktkrise ausgelöst. Auch wenn letztere Gefahr, vor allem dank des massiven Einsatzes der Notenbanken, zunächst gebannt wurde, stellt sich die Frage, wie schnell und nachhaltig der Weg aus der realwirtschaftlichen Rezession gelingen kann.

Eine schnelle Erholung und damit eine ungebremste Fortsetzung der Kursrally würde es sicher erst dann geben, wenn ein wirksames Mittel oder sogar ein Impfstoff für Covid19 gefunden würde. Aber auch ohne diese ultimative Lösung ist die Richtung weiter auf wirtschaftliche Erholung ausgerichtet. Der politische Wille, eine zügige Öffnung der Wirtschaften umzusetzen, ist nach wie vor gegeben. Erfreulich ist auch, dass die ersten Öffnungsschritte in den Industrieländern zu keinem sprunghaften Wiederanstieg in den Neuinfektionen geführt haben. Allerdings zeigen neuerliche Nachrichten aus China, dass sowohl in Wuhan als auch in der nordchinesischen Stadt Shulan erneut mit einem Anstieg der Infektionen gekämpft wird. Die Rückkehr zur Normalität wird alles andere als geradlinig verlaufen. Es besteht aber die berechtigte Hoffnung, dass Bevölkerung und Unternehmen auf dauerhafte Einschränkungen gedanklich bereits vorbereitet sind und dass selbst für den Fall einer zweiten Infektionswelle, die Reaktion routinierter und deutlich weniger wirtschaftsschädigend ausfallen dürften. Somit ist die Perspektive für eine Erholung aus der welt-wirtschaftlichen Rezession zwar mit erheblichen Unwägbarkeiten verbunden, aber grundsätzlich intakt.

Was die Märkte aber vor allem weiter unterstützt, ist die immer enger werdende Verzahnung aus Fiskal- und Geldpolitik. Wie stark die Corona Krise diesen Prozess beschleunigt, war in dieser Woche erneut eindrucksvoll zu beobachten. Nach ersten geld- und fiskalpolitischen Notfallmaßnahmen, bei denen auf der fiskalischen Seite der Fokus vor allem auf Kreditprogramme gelegt wurde, wird jetzt die nächste Stufe eingeleitet. Eine Aufstockung der Programme mit dem Fokus auf direkte und nicht mehr zur Rückzahlung verpflichtende Zuschüsse. Auch wenn eine konkrete Vereinbarung darüber noch Zeit bedarf, so zeigt sich doch erneut, wie schnell zuvor gezogene Grenzen im Zuge der Krise aufgehoben werden. Die Richtung ist vorgegeben und je öfter diese Option der gemeinsamen Schuldenhaftung laut gedacht und vorgebracht wird, desto mehr verliert sie über die Zeit ihren Schrecken und Widerstand. Sicherlich werden Zugeständnisse nötig sein, um kritische Stimmen zu besänftigen. Am ehesten dürften diese zu Anpassungen bei der Finanzierung führen, so dass zunächst eventuell nur ein Teil über den EU-Haushalt gestemmt würde, oder aber zu Adjustierungen in der regionalen Verteilung der Gelder. Alles in allem aber wäre die Umsetzung aber dennoch ein Dammbruch. Neben diesen EU-weiten Hilfsprogrammen wird auch der Katalog der auf nationaler Ebene angedachten Hilfsmaßnahmen zunehmend länger. Die Wirkung der fiskalpolitischen Programme dürfte weit in die Jahre 2021 und 2022 hineinreichen und das mittelfristige nominale Wachstum unterstützen.

Die Notenbanken applaudieren den neu angedachten Programmen und denken selber laut darüber nach, das Volumen ihrer Notfallprogramme zu erhöhen. In Euroland dürfte die Bekanntgabe der Aufstockung des PEPP bereits im Juni erfolgen. Und auch in den USA dürfte es zu weiteren Fiskalpaketen kommen. Fed-Chef Powell äußerte sich in dieser Woche skeptisch, ob die bisherigen Fiskalpakete ausreichend sind. Aus China wird der ab Freitag beginnende Volkskongress nähere Erkenntnis darüber bringen, welches Wachstumsziel dort erreicht werden soll, vor allem aber, welcher Stimulus dafür eingesetzt wird.

Die Verzahnung von Geld- und Fiskalpolitik schreitet unaufhaltsam voran und führt in Kombination mit der Öffnung der Wirtschaften dazu, dass die Kapitalmärkte weiter an der Perspektive einer Erholung des nominalen Wachstums festhalten können. Dies wird zwar keine Fortschreibung der Erholungsbewegung im Tempo der letzten Wochen ermöglichen. Korrekturen werden dadurch aber wirkungsvoll abgefedert. Somit sollte sich die Konsolidierung, ohne dass es zu einem erneuten starken Rückschlag kommt, in der nächsten Zeit zunächst weiter fortsetzen können.

 

Quelle: Dekabank

 

(1) Erklärung der Phaseneinteilung (es werden stets Fünf-Tagesdurchschnittswerte verwendet): – Erste Infizierte: Beginn; frühe Eskalation: prozentuale Tagesveränderung und Anzahl der täglich Neuinfizierten ansteigend; späte Eskalation: prozentuale Tagesverän-derung fallend und Anzahl der täglich Neuinfizierten ansteigend; Stabilisierung: prozentuale Tagesveränderung fallend und Anzahl der täglich Neuinfizierten gleichbleibend; Entspannung: prozentuale Tagesveränderung und Anzahl der täglich Neuinfizierten fallend.

(2) Weitere Informationen zur Konstruktion der Länder-Indikatoren findet sich unter: https://www.bsg.ox.ac.uk

 

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