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AKTUELLES BÖRSENGESPRÄCH mit Matthias Schmidl: „Billiges Geld treibt eben die Kurse!“

AKTUELLES BÖRSENGESPRÄCH mit Matthias Schmidl: „Billiges Geld treibt eben die Kurse!“

 

Bei unserem letzten Gespräch Anfang des Jahres hat Matthias Schmidl, der Leiter der Wertpapierabteilung der Sparkasse Regensburg, dem DAX eine Schwankungsbreite von bis zu 2000 Punkten prognostiziert. Von unter 10.000 bis über 12.000 sei 2019 alles drin. Im Augenblick sehen wir das positive Ende dieser Skala, der Index steht bei freundlichen 12.600 Punkten. Aber das kann wie immer auch nur eine Momentaufnahme des Börsengeschehens sein. Aktuell verdichten sich die Gewitterwolken am konjunkturellen Firmament. Auch die Politik bleibt in Sachen Brexit, Iran-Krise und Handelszollstreit erratisch. Wenn einer auf diese und andere Fragen gute Antworten weiß, dann natürlich unser Top-Experte Herr Schmidl. Zeit für unser zweites Börsengespräch 2019! 

 

Lieber Herr Schmidl. Die Anleger der Sparkasse Regensburg sind hoffentlich cool geblieben und haben die letzten fünf Monate die Nerven bewahrt. Musste die Wertpapier-Abteilung ob der Schwankungen dann doch die ein oder andere Beruhigungspille austeilen?  

Lieber Herr Lutz, unsere Kunden – aber auch unsere Berater – haben sich durch die Schwankungen an den Märkten nicht beunruhigen lassen. Angesichts der weltpolitischen Nachrichtenlage gab es zwar die ein oder andere längere Diskussion über künftige Entwicklungen, aber ansonsten haben alle starke Nerven gezeigt.

Das ist schön zu hören. Aber die Lage bleibt interessant. An den Börsen geht es nach oben und gleichzeitig steigt auch der Goldpreis. Auch meine seit 1,5 Jahren geparkten Bitcoins sind über Nacht wieder im Plus.Wie muss man sich das alles zusammenreimen? Landläufig sagt man ja immer man „flüchte“ in Gold. Warum sehen wir dann niemanden rennen?

Naja, gerade die letzten Jahre war es schwierig, direkte Zusammenhänge bei den Entwicklungen von Edelmetallen und den Börsen herzustellen. Von daher würde ich die beiden Themen gerne trennen.

Natürlich.

Zum Thema Aktien: Hier gab es sehr positive Reaktionen auf die Ankündigungen der FED. Ihre Ansage, die Zinsen senken zu wollen und auch die Aussagen der EZB, wenn notwendig die Märkte weiter zu fluten, fielen auf fruchtbaren Boden. Billiges Geld treibt eben die Kurse.

Und zum Thema Gold: Meiner Meinung hat der Kursanstieg beim Gold schon sehr viel mit der Zuspitzung der globalen Konflikte, insbesondere zwischen den USA und dem Iran, zu tun. Die nochmals gefallenen Zinsen werden hier auch immer wieder angeführt, aber das sehe ich eher als nachrangig an.

Anfang des Jahres waren die fundamentalen Daten immer noch positiv. Dann sind aber leider nach und nach auch einige schlechte Nachrichten ins Börsenhaus geflattert. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage? Alles noch im grünen Bereich, recht durchwachsen oder Anlass zu ernster Konjunktur-Sorge?

Wir sehen mittlerweile global ein niedrigeres Wachstum, was definitiv auf die weltweiten Krisen, insbesondere dem Handelskrieg, zurückzuführen ist. Mit den reduzierten Wachstumsprognosen könnten wir eigentlich gut leben. Die Prognosen für Deutschland liegen bei 0,6% für 2019 und für 2020 nicht weit darüber, was aber wie gesagt verkraftbar wäre. Aber ich betone das Wörtschen eigentlich. Die Gefahr liegt natürlich darin, dass die genannten Konflikte weiter eskalieren und es schlimmer kommt, als gedacht. Die Hoffnung liegt aber weiterhin auf einer Beruhigung und einer damit verbundenen Entspannung der Finanzmärkte. Wie gesagt, die Notenbanken haben ja schon mal ihr „Entgegenkommen“ signalisiert.

Apropos, im „Krieg der Währungen“ gibt es kein Entgegenkommen. Der letzte Twitter-Schlagabtausch zwischen Draghi und Trump hat noch einmal klar gemacht, wie intensiv und auch persönlich der Konflikt inzwischen geführt wird. Aktuell scheint der Euro laut OECD tatsächlich deutlich gegenüber dem Dollar um ca. 20% unterbewertet. Hat die EZB ihre Truppen also bislang recht klug und systemstabilisierend in die Schlacht geführt?

Um in dieser Begrifflichkeit zu bleiben, haben beide Seite recht erfolgreiche Angriffe gestartet. Der Euro könnte aber tatsächlich gegenüber dem Dollar aufwerten. Hauptgrund dürften die in den USA stärker rückläufigen Zinsen sein. Aber wahrscheinlich auch ein Europa, das sich besser entwickelt als zunächst zugetraut.

Auch im Bereich alternative Währungen tut sich was. Italien liebäugelt mit einer Parallelwährung und Facebook startet 2020 mit Libra einen Frontalangriff auf die alte Geldordnung. Alles nur wilde Spekulation und ferne Zukunftsmusik? Wie sollten Anleger solche Entwicklungen einordnen?  

Natürlich rollen da Neuerungen auf uns zu, aber eine Währung muss sich etablieren und muss das Vertrauen der Bevölkerung genießen. Bitcoin ist bis dato ein Spekulationsobjekt, aber keine wirkliche Währung, Libra könnte aufgrund der geschaffenen Rahmenbedingungen stabiler werden. Wir beobachten die Entwicklungen natürlich weiter sehr genau und bleiben am Ball.

Eine Parallelwährung in Italien sehe ich persönlich nicht.

Klare Worte! Zum Schluss drehe ich als alter Finanz-Autodidakt mal die Rolle um. Ich gebe unsern Lesern meinen persönlichen Tipp und Sie berichtigen und ergänzen, falls nötig.

Nur zu, ich höre.

Die zarte Hoffnung auf steigende Sparzinsen hat sich bis auf weiteres zerschlagen. Aktive Anleger sollten daher in der aktuellen Situation ihre Portfolios überprüfen und (falls nicht schon längst geschehen) global diversifizieren. Wem das zu anstrengend ist, der sollte sein Geld am besten in einen weltweit operierenden ETF stecken. Aber auch Kleinsparer können mit dem sogenannten Fondssparen Weg machen und der Nullzinsphase mit viel Geduld und Durchhaltewillen ein Schnippchen schlagen. Und ansonsten heißt es mal wieder: Ruhe bewahren und mit ein wenig Immobilien und Goldanteilen langfristig planen und handeln.

Ich merke, Sie haben viel gelernt aus unseren Interviews. (zwinkert)

Lieber Herr Schmidl, Ihr Lob ehrt mich. Bis zum nächsten Börsengespräch!

 

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