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GASTINTERVIEW MASTER OF THE UNI-VERS: Thomas Spitzer fragt Helene Bockhorst

eingestellt von Fabian Lutz am 27. April 2018

Weil 2017 so gut war, sponsert die Sparkasse Regensburg auch dieses Jahr zwei Master of the Uni-VersAm 28. Mai 2018 geht die wilde Poetry-Polka in die erste Runde. Tausende von Fans werden sich ins Audimax an der Uni Regensburg drängeln und die gute Stube in einen wahren Hexenkessel verwandeln. Denn der Master ist der größte Slam* in Bayern und ein Termin, der sich in den letzten Jahren zu einem Publikumsrenner entwickelt hat. Kein Wunder. Große Atmo, gerissene Gedanken und Künstler, die wo fetzen. Wie zum Beispiel Helene Bockhorst! Hier und jetzt im exklusiven Interview mit Veranstalter Thomas Spitzer. Helene ist Baujahr 1987, Hamburger Autorin, Comedienne und Poetry Slammerin. Sie hat einen Masterabschluss in Journalistik und war vor ihrer Comedian-Karriere als Redakteurin tätig.

 

Helene. Du bist eine der witzigsten Comedians Deutschlands, deine Auftritte haben eine außergewöhnliche Sogwirkung. Trotzdem kam dein Sieg beim Hamburger Comedy Pokal 2018 eher überraschend. Immerhin hast du dich gegen gestandene Comedians wie Thomas Schmidt und Salim Samatou durchgesetzt. Wie hast du das gemacht?

Ich habe den anderen was in den Drink gemixt und dann hatten sie alle Durchfall. Nein, Spaß. Keine Ahnung. Ich habe mich vorher nicht damit beschäftigt, wie die Comedyszene aufgestellt ist, und weiß deswegen gar nicht, wer ein „gestandener“ Comedian ist und wer nicht. Es macht aus meiner Sicht keinen Unterschied. Für das Publikum und die Jury ist es wahrscheinlich auch gar nicht so wichtig, wer wie lange dabei ist und welche Erfolge derjenige vorher gefeiert hat, es zählt nur der jeweilige Auftritt. Mir haben vor dem Comedy Pokal ein paar Leute gesagt: „Hast du dir mal angeguckt, gegen wen du da antrittst? Was denkst du denn, was du für eine Chance hast?“ und ich dachte: Naja. Grundsätzlich habe ich erstmal eine Chance von 1 zu 20, genau wie alle anderen Nominierten auch. Und ich habe mir bewusst keine Videos von den anderen Teilnehmern angeschaut, sondern mich darauf konzentriert, was ich machen wollte. Meine größte Angst war nicht, im Wettbewerb schlecht abzuschneiden, sondern, dass ich selbst mit meiner Leistung nicht zufrieden sein könnte.

 

Helene Bockhorst (c) Fotografie Sascha Moll

 

Seit wann machst du Comedy?

Seit dem 25. April 2017, da habe ich bei einem Open Mic zum ersten Mal Stand-up-Comedy ausprobiert. 

 

Was gefällt dir daran, auf der Bühne zu stehen?

Das ist wahrscheinlich die schwierigste Frage von allen. Ich bin vor Auftritten immer extrem aufgeregt, und kurz vorher denke ich jedes Mal: Warum. Warum zur Hölle tue ich mir das an? Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Angst nachlässt und wenn dann irgendwann der Applaus kommt.

Aber das ist natürlich nicht alles. Ich halte es für wichtig, über bestimmte Themen zu reden. Als Comedian kann ich auf der Bühne ganz viele Sachen sagen, die im richtigen Leben nicht erlaubt sind. Die meisten Zuschauer wollen einfach einen lustigen Abend haben, den sollen sie auch bekommen, das ist ja ein nachvollziehbares Anliegen, aber ein paar Leuten kann ich auch zeigen, dass sie nicht alleine sind.

 

Hast du Vorbilder?

Nein. Ich war nie ein Comedy-Fan, habe mir nie was in der Richtung angeschaut, weder live noch im Fernsehen oder auf YouTube. Was andere Künstler machen, bekomme ich eigentlich nur dann mit, wenn ich mit ihnen auftrete. Auf die Weise habe ich in letzter Zeit einige ziemlich tolle Leute kennengelernt, die ich für das bewundere, was sie machen, aber ich würde niemanden als Vorbild bezeichnen. Das hieße für mich, dass ich mich an demjenigen orientiere, aber was für jemand anderen funktioniert, wird für mich höchstwahrscheinlich nicht funktionieren.

 

Es wird dieser Tage viel über „weibliche Comedy“ geredet. Sie wäre weniger derb, emotionaler, feinfühliger. Stimmt das oder ist die übertriebene Glorifizierung weiblicher Comedy an sich schon wieder problematisch?

Das habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört. Die weiblichen Comedians, die ich bisher kennengelernt habe, waren auf jeden Fall ziemlich unterschiedlich.

 

Helene Bockhorst (c) Fotografie Sascha Moll

 

Vor zwei Jahren standst du zum ersten Mal auf der Bühne. Jetzt giltst du als einer der freshesten Acts in Deutschland, hast über 10.000 Facebook-Fans, kreierst einen viralen Hit nach dem anderen und wirst von den großen Agenturen hofiert. Was ist passiert? Wie hast du das gemacht? Hattest du Hilfe?

Auch wenn ich erst spät angefangen habe, auf die Bühne zu gehen, bin ich nicht völlig „aus dem Nichts“ gekommen – ich habe seit meinem zehnten Lebensjahr Geschichten geschrieben, im Teenageralter Schreibwettbewerbe und Stipendien gewonnen und ich denke, ich habe mir in dieser Zeit Einiges aneignen können, was auch auf der Bühne nützlich ist. 

Einige andere Künstler habe ich von Anfang an als sehr unterstützend erlebt. Nach meinem allerersten Comedy-Auftritt stand ich zum Beispiel etwas ratlos da und sagte: „Ich weiß nicht, ob ich das weitermachen will. Das ist ja total anstrengend, und woher weiß man denn, ob man gut ist?“ Und einer der anwesenden Comedians sagte: „Du weißt das jetzt, weil ich es dir nämlich sage!“ Aber abgesehen von solchen ermunternden Worten oder Hinweisen auf Auftrittsmöglichkeiten von netten Kollegen hatte ich keine Hilfe. 

 

Was erhoffst du dir für die nächsten zwei Jahre?

Ich lasse es auf mich zukommen. Vor einem Jahr hätte ich auch noch nicht gedacht, dass ich mal Comedy machen würde…

 

Hast du einen Traum, z.B. in einem Tatort mitspielen oder so etwas?

Bloß nicht, ich bin eine miserable Schauspielerin. Für mich sind schon Soundchecks und Proben vor der eigentlichen Show die Hölle, ich denke die ganze Zeit: Du liebe Güte, wie spreche ich denn normalerweise? Und wie stehe ich denn schon wieder da, das muss ja völlig unnatürlich aussehen… 

Ab Oktober bin ich mit meinem ersten abendfüllenden Soloprogramm auf Tour und ich würde mich extrem freuen, wenn sich viele Leute Karten dafür kaufen würden. Es macht einfach mehr Spaß, in ausverkauften Häusern auf der Bühne zu stehen. 

Und ich würde gerne irgendwann mal ein Buch veröffentlichen.

 

 

Vor wenigen Monaten endete dein Leben vor der Comedy. Wie muss man sich Helene Bockhorst privat vorstellen?

Bis Ende November 2017 habe ich noch Vollzeit in der Redaktion einer Fachzeitschrift gearbeitet und über Wohnimmobilien geschrieben. Gleichzeitig hatte ich 2017 schon über 120 Auftritte, da blieb nicht viel Freizeit. Seitdem ich gekündigt habe, genieße ich es, mehr Zeit zum Schreiben und Nachdenken zu haben.

 

Was hast du studiert?

 Ich habe an der Uni Hamburg den Master in Journalistik und Kommunikationswissenschaft gemacht.

 

Wo kommst du her?

Ich bin in einem kleinen Dorf in Niedersachsen aufgewachsen, wir hatten dort einen Zigarettenautomaten und einen Verschlag, aus dem man sich einen Sack Kartoffeln nehmen und Geld in eine Kasse werfen konnte, mehr ortsansässiges Gewerbe gab es nicht. Die kulturellen Großereignisse waren Schützenfest, Maibaumsetzen und die Beachparty in Elstorf, aber da konnte man nur hin, wenn man schon einen Freund mit einem Auto hatte, also ich nicht.

 

Gefällt es dir dort?

Das ist ja alles relativ, wie man in den Nachrichten sieht, gibt es definitiv schlimmere Orte auf der Welt als mein Heimatdorf. Wenn man Alternativen hat, würde ich allerdings davon abraten, sich freiwillig dort aufzuhalten.


Wie ist das Leben in Hamburg?

In Hamburg gefällt es mir sehr gut, es gibt so viele schöne Bühnen und fast jeden Abend Veranstaltungen. Und, ganz wichtig, es gibt Supermärkte.

 

Warst du schonmal in Regensburg?

Nein, noch nie. 

 

Was erwartest du dir vom MASTER OF THE UNI-VERS?

Einen Abend mit tollen Texten, netten Kollegen und hoffentlich begeistertem Publikum!

 

* nach Aussagen von Thomas Spitzer

(c) Fotografie Sascha Moll

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