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Aktuelles Börsengespräch mit Matthias Schmidl: „Der Wettlauf der Währungen hat gerade erst begonnen.“

eingestellt von Fabian Lutz am 24. April 2018

Das erste Börsenquartal 2018 liegt hinter uns. Es war geprägt von Schwankungen, Skandalen und Spannungen. Alles Zutaten, die Aktienprofis scheuen, wie der Teufel das Weihwasser. Aber die weltweite Wirtschaft zeigt sich nach wie vor robust, die Arbeitslosigkeit in den USA ist auf einem niedrigen Stand, der globale Handel brummt. Noch. Denn mit den geplanten Handelsbeschränkungen sind Wolken am Wall Street Himmel aufgezogen. Ob sie sich weiter verdunkeln und vergrößern, hängt von vielen Faktoren ab, die für Laien schwer zu deuten sind. Wie geht es weiter mit den Märkten, wenn in Europa weiterhin kräftig Geld gedruckt wird, die amerikanische Fed die Zinsen aber bereits behutsam steigen lässt und sich fremde Währungen für den Handel rüsten?  Höchste Zeit, wieder einmal mit unserem wichtigsten Aktien-Profi zu sprechen: Matthias Schmidl, Leiter der Wertpapierabteilung der Sparkasse Regensburg. 

 

Lieber Herr Schmidl, Sie wissen ja: In Vorbereitung auf unsere Gespräche lese ich mir unser letztes Interview noch einmal ganz genau durch. Hand aufs Herz! Haben Sie hellseherische Fähigkeiten? Ist Ihre Mutter Wahrsagerin? Oder liegt irgendwo zu Hause eine Glaskugel  herum? Sie machen mir fast schon etwas Angst!

Naja, ich würde das nicht als hellseherische Fähigkeit bezeichnen, sondern eher mit einer langjährigen Markterfahrung begründen. Das es mit den Zeitpunkt auch noch so gut gepasst hat, ist sicher auch ein kleines bisschen Glück.

 

Lagebesprechung: Dr. Holger Bahr von der Dekabank und Matthias Schmidl im Gespräch

 

Glück? Ich zitiere Sie: „Wir haben derzeit eine unglaublich niedrige Schwankungsbreite an den Märkten. Dies erscheint mir  persönlich etwas trügerisch, da möglicherweise das Risiko an den Aktienmärkten unterschätzt wird.“ Genau das ist im letzten Quartal passiert! Die Volatilität hat zugenommen. Sind die Ausschläge der letzten Monate für Sie noch im grünen Bereich? Oder droht uns weiteres Ungemach?

Die Kursausschläge der letzten Wochen sind, historisch gesehen, absolut noch im grünen Bereich. Ich persönlich glaube allerdings, dass wir den  Tiefpunkt noch nicht gesehen haben.  Ebenso fest bin ich für die Zeit danach von einer raschen Markterholung überzeugt.

 

Puh! Die Märkte sind im Moment eine Sache, die Weltpolitik eine andere. Neben den altbekannten geopolitischen Konflikten und ihren Auswirkungen droht nun auf einmal auch ein handfester Handelskrieg. Die Fronten und Zölle verlaufen im Zickzack über den Erdball. USA, China, Europa oder Russland. Was meinen Sie.  Wer wird am Ende gewinnen, wer verlieren und warum?

Es mag sein, dass sich kurzfristig hier jemand als Sieger fühlt. Meines Erachtens ist das trügerisch. Die wohl größte Errungenschaft der Globalisierungen war der Wegfall von Zollschranken und die Abschlüsse internationalen Handelsabkommen. Alle von Ihnen genannten Handelsmächte haben massiv davon profitiert. Kurzum, es wird keinen Gewinner geben, nur Verlierer. In diesem Fall handelt es sich also um einen  völlig fehlgeleiteten Patriotismus.

 

Auch spannend zu beobachten ist im Moment, dass zwei der amerikanischen BIG FIVE (Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft) in den letzten Monaten erstaunlich unter Druck geraten sind. Facebook erlebt gerade sein Datenschutz- Dilemma und Amazon steht auf der persönlichen Abschussliste von Donald Trump. Sind das isolierte Ereignisse oder kann es sein, dass die digitale Silicon-Valley-Erfolgsgeschichte ein wenig ins Stottern geraten ist?

Die Bewertungen der besagten Aktien war (und ist) schon abenteuerlich, gerade wenn man diverse Vergleiche liest, welchen Börsenwert die BIG FIVE mittlerweile darstellen. Ich belasse es bei einem Vergleich: Amazon ist derzeit an der Börse so viel wert, wie die zehn wertvollsten Aktien im DAX! Da kann man schon mal ins Stottern kommen, oder?

 

Schauen wir nach Europa. Deutschland hat endlich wieder eine funktionierende Regierung. Reicht dieser Schwung, um den Rest der EU wieder einmal mit nach vorne zu ziehen? Oder hat Macron bereits das europäische Zepter übernommen? Man traut dem Franzosen ja inzwischen wahre Wunderdinge zu!

Man sagt zwar immer, dass die politischen Ereignisse an den Börsen nur für kurzes Aufsehen sorgen, aber in diesem angesprochenen Fall sehe ich das anders. Der Schulterschluss zwischen Herrn Macron und Frau Merkel ist für Europa von enormer Wichtigkeit. Nur mit einem stabilen Fundament der zentraleuropäischen Länder kann sich Europa als Ganzes in den nächsten Jahrzehnten den kommenden Herausforderungen stellen. Für die Wirtschaft und folglich für die Börsen ist ein geeintes Europa gerade jetzt besonders wichtig.  Es sollte sich in dieser disruptiven Welt als Fürsprecher für einen globalen Handel einsetzen.

 

Zum Schluss interessiert mich noch Ihre Meinung zum rasanten Verfall der türkischen Lira. Braut sich da eine Gefahr zusammen, die auch Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte haben kann? Oder ist das bloß ein Sturm in der Wasserpfeife? 

Wir sehen derzeit nicht nur die türkische Lira unter Druck. Die Liste ist lang: russischer Rubel, südafrikanischer Rand, brasilianischer Real, Hongkong Dollar… Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen hat jedes der genannten Länder eine eigene hausgemachte Geschichte, die die jeweilige Währung grundsätzlich schon mal negativ beeinflusst. Hinzu kommt, dass in unruhigen Zeiten tendenziell der Dollar gegenüber diesen Währungen aufwertet, da er als sicherer Hafen gesehen wird. Und zu guter Letzt darf man das große Bild nicht vergessen: Nahezu alle Länder sind bemüht, die eigene Währung schwach zu halten.

 

Warum ist das so? Es hat ja nicht nur Vorteile.

Nur so können sie die im eigenen Land produzierten Waren möglichst günstig im Ausland verkaufen. Und dafür toleriert man eine schwache Währung schon mal gerne, trotz der Nachteile beim Einkauf. Der Wettlauf um die schwächste Währung hat aber gerade erst begonnen. Er  wird uns die nächsten Jahre noch weiter begleiten.

 

Lieber Herr Schmidl, vielen Dank für diesen Ausblick! 

 

 

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