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INTERVIEW MIT BIRGIT BOSL: 100 JAHRE DEKA – 100 PROZENT SPARKASSE

eingestellt von Fabian Lutz am 22. März 2018

Das Wertpapierhaus der Sparkassen wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Die Dekabank hält einen Augenblick inne und blickt auf ihre traditionsreiche Vergangenheit zurück. Der Hauptsitz des Hauses liegt im Herzen des Finanzplatzes Frankfurt. Hier ist die Bank als Teil der Finanzmetropole fest verankert – ihre Wurzeln reichen aber viel weiter zurück, bis nach Berlin. Im Februar 1918 wurde in der Getraudenstraße, unweit des Berliner Schlosses, die Deutsche Girozentrale gegründet. Von der einstigen Geldvermittlungsstelle war es ein weiter Weg zu einem der wichtigsten und angesehensten Wertpapierhäuser Deutschlands. Anlässlich des runden Jubiläums haben wir die Gelegenheit genutzt und mit  Birgit Bosl, der stellvertretende Bereichsleiterin des Sparkassenvertrieb Bayern über die Geschichte der Dekabank gesprochen. 

 

Liebe Frau Bosl, 100 Jahre Deka – eine stolze Zahl und eine lange Geschichte in bewegten Zeiten. Gibt es – trotz aller Veränderungen und auch Namenswechsel – so etwas wie einen roten Faden, einen DNA-Strang, der die Identität oder besser das Selbstverständnis des Hauses ausmacht?
Unsere DNA ist untrennbar mit der der Sparkassen und vor allem ihrem öffentlichen Auftrag, „den Sparsinn in der Bevölkerung zu fördern“, verbunden. Unser Ziel ist es, einer breiten Bevölkerung den Vermögensaufbau mit Wertpapieren zu ermöglichen. Wenn man die letzten 100 Jahre Revue passieren lässt, haben in Wirtschaft und Wissenschaft bahnbrechende Entwicklungen stattgefunden, die man damals in dieser Form wahrscheinlich nicht für möglich gehalten hat: ob Hochgeschwindigkeitszüge, Smartphones oder selbstständig einparkende Autos. Diese technischen Errungenschaften und neuen Industrien haben sich mit einem kontinuierlichen Wachstumskurs an den Kapitalmärkten positiv ausgewirkt. Für die Deka ist und bleibt es der zentrale Auftrag, Sparer mit modernen Anlagemöglichkeiten an diesen Entwicklungen teilhaben zu lassen. So bleibt die Geschichte der Deka hoffentlich auch zukünftig eine Erfolgsgeschichte des Investmentfonds und des Wertpapiersparens.

 

Auch im Jahr 2018 wird der bargeldlose Geldverkehr in Deutschland immer noch heiß diskutiert. Die Deutschen lieben Scheine und Münzen und misstrauen virtuellen Zahlungen. Bargeldlosen Zahlungsverkehr gibt es tatsächlich schon sehr lange – warum ist das, historisch gesehen, überhaupt nötig geworden? Und was hat die DekaBank damit zu tun?
Die Wurzeln der Deka liegen ja in Berlin. Dort wurde im Februar 1918 unweit des Berliner Schlosses die Deutsche Girozentrale (DGZ) gegründet. Die Hauptaufgabe des Hauses bestand zunächst im Geldausgleich zwischen Sparkassen und Girozentralen, einer Tätigkeit, die durch die Aufnahme des Spargiroverkehrs erforderlich geworden war, und auch in der Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Dieses Thema reicht sehr weit zurück. Schon im Spätmittelalter breitete sich von Italien aus unter Kaufleuten eine Form von kontenmäßiger Verrechnung in Europa aus. In Deutschland wurde der bargeldlose Zahlungsverkehrs erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführt. Als eine zentrale Figur des Giroverkehrs in der Sparkassenorganisation gilt Johann Christian Eberle, der frühzeitig die Vorteile eines sparkasseneigenen, geschlossenen Zahlungsverkehrsnetzes erkannte. Auf Eberles Initiative hin kam es dann im Oktober 1908 zur Gründung des Giroverbandes Sächsischer Gemeinden. Der eigentliche Giroverkehr begann 1909 mit der ersten deutschen Girozentrale, die in Dresden den Giroverkehr aufnahm. Der Giroverkehr gab den entscheidenden Impetus für die weitere Entwicklung des Sparkassenwesens, denn er verlieh der bankmäßigen Entfaltung der Sparkassen den ausschlaggebenden Antrieb und trug zugleich entscheidend dazu bei, die Institute zu vernetzen.

 

Am 1. Februar 1918 wurde die Deutsche Girozentrale (DGZ) gegründet. Diese Zeit gilt als eine der schwersten Phasen der deutschen Geschichte: Der 1. Weltkrieg ist verloren, die Deutschen leiden Not und Hunger und die gewaltigen Reparationszahlungen der Siegermächte bedrohen die Zukunft der jungen Demokratie. Wie sehr hat der Zeitpunkt der Gründung das heutige Geldhaus geprägt?
Im Vordergrund stand seinerzeit ganz klar das Ziel, eine finanzielle Grundversorgung der Bevölkerung sicher zu stellen. Mit ihren Vorläuferinstituten verkörperte das Finanzinstitut Unternehmenstypen, deren Geschäftsfelder weitgehend komplementär waren. Sie wiesen aber auch markante Gemeinsamkeiten auf: Sowohl die DGZ als auch die Deka waren Dienstleister, die ihr Angebot an den Bedürfnissen der Sparkassen-Finanzgruppe ausrichteten. Gemeinsam war der DGZ und der Deka auch, dass sie zum Zeitpunkt ihrer Gründung jeweils neuartige Unternehmenstypen im deutschen Kreditwesen verkörperten: die DGZ zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Girozentrale und die Deka Mitte des 20. Jahrhunderts als Investmentgesellschaft.

 

Welche Rolle spielte in den Anfangsjahren das sogenannte Kommunalkreditverbot?
Das Kommunalkreditverbot war in Folge der Bankenkrise durch die Notverordnung vom 5. August 1931 verfügt worden. Es blieb bis 1939 bestehen. Für die DGZ bedeutete dieses Verbot, dass das Bankhaus auf die Betätigung in einem wichtigen Geschäftszweig verzichten musste. Erst mit dem „Gesetz über den kommunalen Kredit der Spar- und Girokassen und der kommunalen Kreditanstalten“ erfolgte 1939 eine Lockerung. Die Reichsbehörden erlaubten der Sparkassenorganisation – allerdings unter Auflagen – wieder die Gewährung von Krediten an Kommunen bzw. kommunale Verbände. 

 

Auf die harten Anfangsjahre folgte eine bittere Jugend. Die Nazis kommen an die Macht, der 2. Weltkrieg hinterlässt Spuren in Belegschaft und Unternehmen. Mich würde die Rolle der Bank im Schatten der Diktatur interessieren. Wie dunkel war dieses Kapitel wirklich und was hat man daraus gelernt?
Lassen Sie mich an dieser Stelle den Historiker Harald Wixforth zitieren: „Im Ergebnis war die DGZ in der Zeit zwischen Bankenkrise und Zusammenbruch des NS-Regimes eine „unpolitische Bank“. Gleichwohl versicherten sich die Entscheidungsträger in den Berliner Ministerien und in den Institutionen der NSDAP der Loyalität und der Kooperationsbereitschaft des Instituts, wenn es erforderlich schien. Notfalls geschah dies auch mit Drohungen. Die DGZ stellte sich dann sofort in den Dienst des Regimes. Es durfte ihr auch gar nichts anderes übrig geblieben sein, da sie in Konflikten mit dem Herrschaftsapparat kaum Handlungsspielräume besaß. Die DGZ musste kooperieren, wenn staatliche Organe und Institutionen der NSDAP dies wollten. Sie wurde dadurch oft genug zu einem reinen Instrument der nationalsozialistischen Machthaber bei der Befriedigung seines steigenden Finanzbedarfs und bei der Abwicklung finanztechnischer Dienstleistungen.“

 

War der Neuanfang als DGZ Deutsche Kommunalbank in Düsseldorf eine gelungene Wiedergeburt? Die volle Geschäftstätigkeit wurde ja erst 1954 wieder aufgenommen – unter alter Flagge.
Ihre Frage nach der gelungenen Wiedergeburt kann ich mit „im Rahmen der Möglichkeiten ja“ beantworten. Man muss einfach bedenken, dass es vor 1954 keinerlei Gestaltungsspielräume gegeben hat. Bis 1949 durfte die DGZ als „Deutsche Kommunalbank“ zunächst nur das langfristige Geschäft betreiben. Mit der Einbindung in zentrale Kreditaktionen des Bundes kam der Bank erstmals wieder eine wichtige Funktion innerhalb der Sparkassenorganisation zu. 1954 wurde der DGZ dann auch die Aufnahme des kurzfristigen Geschäfts gestattet. Bis dahin gab es deshalb nur im eingeschränkten Maße Neugeschäft.

 

Was war der entscheidende Impuls zur Gründung der Deutschen Kapitalanlagegesellschaft (Deka)? War der neue Geschäftsbetrieb mit der Tätigkeit der DGZ organisch verbunden? Oder gab es einen Bruch mit alten Traditionen?
Gefördert wurde die Gründung von Investmentgesellschaften wie auch die der Deka durch die damalige Bundesregierung. Sie war entschlossen, das Fondssparen als Instrument der Vermögensbildung in breiteren Bevölkerungsschichten zu etablieren. Eine organische Verbindung von DGZ und Deka gab es personell. Einen Bruch mit alten Traditionen gab es nicht. Aber es gab kritische Stimmen, die in der Gründung der Deka eine Konkurrenz zum klassischen Kontosparen sahen. Aus heutiger Sicht ist Wertpapiersparen die moderne Übersetzung des öffentlichen Auftrags der Sparkassen, den ich zu Beginn erwähnte.

 

In den späten 50er Jahren beginnt sich das Fondssparen auch in der deutschen Bevölkerung zu etablieren. Welche Bedeutung hatte die Auflage des so genannten DekaFonds I für das Haus? Gibt es ein vergleichbares Produkt noch heute?
Der DekaFonds I war der erste Fonds, den wir aufgelegt haben und insofern ist er natürlich von besonderer Bedeutung für uns. Es gibt ihn noch heute, aber mit einem etwas breiteren Anlagespektrum. Der DekaFonds investiert nicht mehr ausschließlich in deutsche Titel. Bei allen Unwägbarkeiten, die die Schwankungen an den Kapitalmärkten mit sich bringen, lässt sich anhand dieses Fonds sehr gut demonstrieren, wie attraktiv die langfristige Anlage in Wertpapieren sein kann. Wer seit der Auflegung am 26.11.1956 monatlich einen Betrag von 50 Euro in den DekaFonds investiert hat, konnte per 28.2.2018 über eine ansehnliche Summe von 831.874,33 Euro verfügen. Damit kann man sich durchaus den einen oder anderen Wunsch erfüllen.

 

Mit dem Umzug nach Frankfurt beginnt eine lange Phase des Wachstums. Das Fondsgeschäft wird erweitert und konsequent ausgebaut. Einen Meilenstein dieser Entwicklungen markiert im Jahr 1999 die Fusion von DGZ und Deka zur DGZ DekaBank Deutsche Kommunalbank. War die Fusion zu diesem Zeitpunkt eine gute Idee?
Sie spielen auf das Platzen der Internetblase an, richtig? Das hat zu diesem Zeitpunkt niemand voraussehen können. Eine Fusion dieser Art sollte man auch nicht vom Marktgeschehen abhängig machen. Hier ging es darum – und insofern war es eine gute Idee – komplettierende Geschäftsfelder in einem Institut zu bündeln, um von den Synergien zu profitieren.

 

Warum wurde am 1. Juli 2002 die Umfirmierung in DekaBank Deutsche Girozentrale vollzogen?
Die Namensgebung „DGZ·DekaBank Deutsche Kommunalbank“ stellte 1999 einen guten Kompromiss dar, der beide fusionierten Häuser angemessen berücksichtigte und ihr Zusammenwachsen unterstützte. Da in den Folgejahren die Auffassung vertreten wurde, dass der Name nicht eingängig genug sei, hat man mit der neuen Bezeichnung „DekaBank Deutsche Girozentrale“ Abhilfe geschaffen. Vor allem mit der Kurzversion „DekaBank“ wurde schließlich ein deutlich stärkerer Bezug zur Fondsmarke hergestellt.

 

Im Jahr 2011 werden die Sparkassen alleiniger Eigentümer der DekaBank. Welche Vorteile brachte das mit sich? Wie gut verlief die Integration in die große Sparkassen-Organisation?
Die Deka nahm „100 Prozent Sparkasse“ zum Anlass, ihr Geschäftsmodell neu auszurichten und sich als Wertpapierhaus der Sparkassen zu positionieren. Sich komplett auf die Bedürfnisse der Sparkassen und ihrer Kunden zu fokussieren, war ja jetzt erst möglich. Dazu gehörte auch das im Jahr 2013 gestartete Zertifikategeschäft für Privatkunden. Hier haben wir uns in wenigen Jahren zum zweitgrößten Anbieter im deutschen Markt entwickelt (Quelle: Deutscher Derivate Verband, Marktanteile Anlageprodukte nach Marktvolumen, 09/2017). Integriert war die Deka aber als Teil der Sparkassen-Finanzgruppe bereits, aber wir sind durch die Änderung der Eigentümerverhältnisse sicherlich noch stärker mit den Sparkassen zusammengewachsen.

 

Inzwischen hat sich die Bank erfolgreich zum Komplettanbieter rund um das Wertpapiergeschäft entwickelt. Die Deka gehört zu den führenden großen deutschen Universalanbietern. Wie geht es weiter? Wo will das Haus in Zukunft Akzente setzen?
Es bleibt bei einem klaren Fokus auf Sparkassen und Sparkassenkunden. Wir werden innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe das Wertpapiergeschäft weiterentwickeln bzw. uns insbesondere damit befassen, wie wir die Sparkassen über das Angebot von Produkten und Dienstleistungen hinaus beim Ausbau ihres Wertpapiergeschäfts noch besser unterstützen können. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass Sparkassenkunden in Deutschland 40 Millionen Girokonten, aber nur 4 Millionen DekaBank Depots haben, bietet das reichlich Wachstumspotenzial. In diesem Zusammenhang ist es von entscheidender Bedeutung, die Wertpapierkultur und auch die Finanzbildung in Deutschland zu fördern.

 

Liebe Frau Bosl, vielen Dank für dieses informative Gespräch. Auf die nächsten 100 Jahre!

 

(c) Fotografie DekaBank

 

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