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Aktuelles Börsengespräch mit Matthias Schmidl: „Dollar-Schwäche trifft auf Euro-Stärke“

Das Börsenjahr 2017 geht ins letzte Drittel. Bisher lief es – von kleinen Rücksetzern abgesehen – außergewöhnlich gut für die Markteilnehmer. Zahlreiche Rekorde wurden gebrochen, Anleger können mit einem deutlichen Plus rechnen. So könnte es eigentlich auch gerne weitergehen: Die Wachstumsraten stimmen, Europa kommt als Ganzes wieder in Schwung und in den USA stimmen wichtige wirtschaftliche Eckdaten. Wenn da nicht der starke Euro und die politische und wirtschaftliche Unberechenbarkeit des amerikanischen Präsidenten wären. Und ein wichtiger deutscher Wahltermin im September ansteht! Zeit für Klarheit. Zeit für ein Gespräch mit Matthias Schmidl, dem Leiter der Wertpapierabteilung der Sparkasse Regensburg.   

 

       

Lieber Herr Schmidl, im Herbst beginnen wir das Planspiel Börse, bei dem in diesem Jahr auch die Regensburger Schulen wieder mitmachen können. Wie ist Ihre Einschätzung? Auf was für eine Markt werden die jungen Börsencracks im letzten Quartal des Jahres 2017 treffen? Mit welchen Chancen und Herausforderungen werden sie konfrontiert?

Wenn die jungen Broker sich die Bewegungen des Jahres 2017 ansehen, könnten sie zum Beispiel zu dem Ergebnis kommen, dass Investitionen in Aktien gar nicht so schwankend sind, wie man vielleicht vermuten möchte. Und gerade das könnte dann auch die große Herausforderung für die Schüler werden. Denn nach den historisch sehr stabilen letzten Monaten wäre es im letzten Quartal durchaus möglich, dass die Volatilität zurückkehrt.

 

 

 

Was wäre der Auslöser für ein solches Szenario? 

Schon eine Ankündigung eines Notenbankchefs könnte reichen. Jede Äußerung, die auf eine weitere Verknappung des billigen Geldes hindeuten könnte, wird die Märkte in Wallungen versetzen. Sollten die Notenbanken also etwas Unerwartetes verkünden, könnte dies das Ende der Ruhe der vergangenen Monate bedeuten.

 

 

In unserem letzten großen Interview im Frühjahr sagten Sie: „Solange das Geld so billig bleibt, führt kein Weg an Aktien vorbei.“ Eine Zeit lang sah es ja schon so aus, als ob die Fed in den USA die „Gelddruckmaschinen“ in kleinen, aber zügigen Schritten abschaltet. Dann hat Draghi den EZB-Finger voll auf dem Nullzins-Abzug gelassen und die amerikanischen Notenbanker sind augenblicklich unsicher, was die Höhe der nächsten Erhöhung betrifft. Heißt das jetzt im Umkehrschluss, dass die Aktienrally munter weitergeht?

Das ist eine optimistische Variante. Munkeln wir mal, dass die Fed keine weitere Zinsanhebung vornimmt und Draghi seine Entscheidung zum Ankaufprogramm so weit wie irgendwie möglich hinauszögert: Ja, dann geht es munter weiter, und zwar mit neuen Höchstständen.

 

 

Im September wählt Deutschland. Der Wahlkampf dümpelt noch so vor sich hin, Spannung sieht anders aus. Erwarten Sie trotzdem irgendwelche besonderen Markt-Impulse aus der politischen Ecke?

Traditionell mögen die Börsen eine Koalition von CSU/ CDU und FDP, aber auch gegen eine Weiterführung der großen Koalition dürften die Märkte nichts einzuwenden haben. Hauptsache die eurofeindlichen Tendenzen bleiben überschaubar. Danach sieht es derzeit ja aus.

 

 

Der Euro profitiert aktuell von einer Dollar-Schwäche. An den Finanzmärkten gibt es immer stärkere Zweifel, ob US-Präsident Donald Trump seine geplante Steuerreform sowie das Konjunkturprogramm umsetzen kann. Sind das gute Nachrichten für die europäischen Unternehmen?

Naja, so pauschal kann man das nicht sagen, Herr Lutz. Derzeit kommen zwei Faktoren zusammen. Einmal kann Donald Trump eigentlich keine seiner angekündigten Vorhaben umsetzen. Das schwächt einerseits den Dollar, andererseits wartet Europa derzeit aber auch mit sehr positiven Wirtschaftsdaten auf. Die politischen Risiken sind zum Glück nur noch sehr gering. Das stärkt den Euro. Ich würde also sagen: Dollar-Schwäche trifft auf Euro-Stärke. Und um auf Ihre Frage zurück zu kommen: Den europäischen und  insbesondere den exportstarken deutschen Unternehmen ist ein schwacher Euro eigentlich lieber.

 

 

Auch das Pfund tendiert wieder sehr schwach, es pendelt auf Brexit-Niveau. Britische Waren und Güter sind damit im Ausland so günstig wie nie. Wirkt das nach Ihrer Argumentation dann wie ein Sonderkonjunkturprogramm für die Insel? Oder überwiegen die Sorgen und Risiken wegen der stark gestiegenen Preise für wichtige Einfuhren?

Derzeit wirkt das schwache Pfund wirklich wie ein Sonderkonjunkturprogramm für die Briten. Das böse Ende dürfte aber wohl erst noch kommen. Es deutet sich an, dass viele Banken und Versicherungen das Königreich verlassen werden, was definitiv tausende Arbeitsplätze kosten wird. Hinzu kommt natürlich eine über das schwache Pfund importierte Inflation. Da kommt einiges auf die Briten zu. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Vielleicht werden wir noch überrascht und wir erleben einen Exit vom Brexit.

 

 

Was für Auswirkungen hat die drohende Staatspleite in Venezuela auf die Märkte? Was sagt es generell über das Geschäft mit dem schwarzen Gold aus, wenn das Land mit den weltweit größten Ölreserven langsam aber sicher vor die Hunde geht?

Nicht viel. Hauptursache für die Probleme in Venezuela sind die politischen Verhältnisse. Wenn das Land sich reformieren würde und stabile Verhältnisse schafft, wären auch positive Effekte für die Bevölkerung zu verzeichnen. Und dass das viele Öl aufgrund fehlender Regulierung zu massiver Korruption beiträgt, dürfte ohnehin klar sein.

 

 

Zum Abschluss noch eine Frage zum Thema digitale Währungen. Bitcoins und Ether haben in den letzten Monaten viele Besitzer von digitalen Münzen richtig reich gemacht – und auch Nerven gekostet. Beobachten Sie diese volatilen Entwicklungen? Teilen Sie die Ansicht, dass Bitcoins weniger eine Währung, denn eine Art digitales Gold sind?  

Ja, wir sind natürlich immer wieder mit „Bitcoins“ konfrontiert. Zum derzeitigen Zeitpunkt sehe ich es aber als reines Spekulationsobjekt und nicht als eine ernst zu nehmende Währung. Irgendwann, wenn ein Verdrängungswettbewerb um die beste digitale Währung stattgefunden hat, könnte es investierbar werden. Zum aktuellen Zeitpunkt ist es schon eine sehr spekulative Sache…

 

 

Lieber Herr Schmidl, wie immer vielen Dank für Ihre Einschätzungen. Bis bald!

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