DEKA VOLKSWIRTSCHAFTPROGNOSE: „Politische Hürden werden genommen!“

von Fabian Lutz am in Wachsen ist einfachKommentieren

Es ist geschafft: Der Deutsche Aktienindex DAX hat ein neues Allzeithoch erreicht. Der Grund: Erleichterung bei den Finanzmarktteilnehmern. Denn in diesem von politischen Risiken übersäten Frühjahr sind wichtige Hürden genommen worden. Die Euro-kritischen Parteien haben sich bei den Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich nicht durchgesetzt. Überdies nimmt US-Präsident Trump Schritt für Schritt Abstand von seinen extremsten Plänen. Zudem hat er durch den Kompromiss mit dem US-Kongress über den laufenden Haushalt die Schließung öffentlicher Einrichtungen vermieden. Es ist von politischer Seite also nicht so schlimm gekommen, wie man hätte befürchten können, sodass die Finanzmarktteilnehmer verständlicherweise erleichtert durchatmen.

 

Sicherlich werden die nächsten Wahlen kommen, und bei Weitem nicht alle Unsicherheiten seitens der US-Regierung sind vom Tisch. Aber Unternehmen, Zentralbanken und Märkte können sich zunächst einmal den fundamentalen makroökonomischen Grundtendenzen zuwenden. Dabei mag man zu Recht konstatieren, dass die Stimmungsindikatoren den harten realwirtschaftlichen Daten nach oben weggelaufen sind. So dynamisch, wie diese es signalisieren, ist das globale Wachstum mit rund 3,5 % definitiv nicht. Aber die konjunkturelle Expansion hat eine hinreichende Substanz und Stabilität. Zu ihren Gunsten ist zudem festzuhalten, dass es über die großen Wirtschaftsräume hinweg recht symmetrisch aufwärts geht.

Vor diesem Hintergrund geraten die Notenbanken und ihr Ausstieg aus der langjährigen ultra-expansiven Geldpolitik in den Fokus. Die amerikanische Fed wird 2017 noch zwei Zinserhöhungen folgen lassen, bevor sie damit beginnt, die vollständigen Reinvestitionen fällig gewordener Anleihen zurückzuführen. Dies hat die Fed jüngst deutlich früher angekündigt als es die Märkte erwartet hatten. Die Europäische Zentralbank wird wohl im Herbst die wunschgemäß erhöhten, aber immer noch deutlich unter ihrem Ziel liegenden Inflationsraten zum Anlass nehmen, um über ihre Pläne zur Rückführung der Wertpapierkäufe („Tapering“) zu informieren. Erste Zinserhöhungen der EZB bleiben dennoch in weiter Ferne. Zunächst einmal wird das Tapering durchgeführt, und erst in gut drei Jahren dürfte die erste Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes anstehen.

Kurzum: Die Finanzmärkte sehen sich einer ordentlichen konjunkturellen Dynamik gegenüber, der die Notenbanken noch längst nicht mit einer restriktiven Geldpolitik in die Quere kommen. Für Rentenmärkte sind das Perspektiven auf nur allmählich anziehende Renditen. Für Aktienmärkte bieten sich mit konstruktiven Gewinnaussichten für die Unternehmen Kurspotenziale, auch wenn es im späteren Jahresverlauf etwas holpriger werden könnte. Eine kurzzeitige Konsolidierung an den Börsen sollte ebenso überwunden werden wie jüngst die politischen Hürden.

 

Deutschland

Ende gut, alles gut. Nach einem verhagelten Start in das Jahr 2017 hat die deutsche Konjunktur im Verlauf des ersten Quartals kräftig an Fahrt aufgenommen. Der private Konsum dürfte dabei das solide Fundament gebildet haben. Auch das Exportwachstum sollte im Zuge der sich belebenden Weltkonjunktur leicht angezogen haben. Die bedeutendsten Impulse kommen von der Investitionstätigkeit: Das Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen war wohl das stärkste seit Jahresfrist, die Bauinvestitionen legten witterungsbedingt so stark wie seit Jahren nicht mehr zu. Eine große Unbekannte ist das Ausmaß der sich abzeichnenden Aufwärtsrevision für das vergangene Jahr. Diese könnte sich spürbar auf das jahresdurchschnittliche Wachstum für 2017 auswirken.

Prognoserevision: Inflation 2017: 1,8 % (bisher: 2,0 %).

 

Euroland

Die Konjunktur in Euroland hat einen guten Jahresstart hingelegt. Das Bruttoin-landsprodukt stieg im ersten Quartal laut der vorläufigen Schnellschätzung von Eurostat um 0,5 % im Vergleich zum Vorquartal. Nur wenige Länder der Europäi-schen Währungsunion haben bisher ihre Wachstumszahlen veröffentlicht. Darunter sind die zwei Schwergewichte Frankreich und Spanien. Die spanische Wirt-schaft nimmt mit einem Wachstum von 0,8 % im ersten Quartal erneut Kurs auf die Wachstumsmarke von 3 % für das Gesamtjahr. Frankreich blieb mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,3 % im ersten Quartal etwas hinter den Erwartungen zurück. Die Stimmungsindikatoren für Euroland deuten für das zweite Quartal eine weiterhin gute wirtschaftliche Entwicklung auf einer breiten Länderbasis an.

Prognoserevision: Bruttoinlandsprodukt: 2017: 1,8 % (bisher 1,7 %).

 

USA

Im April musste es plötzlich mit der Vorstellung einer Steuerreform ganz schnell gehen. Was die Trump-Administration dann aber an Eckpunkten ihrer Reform vorlegte, war so dünn, dass eine Berechnung der Auswirkungen auf das Staatsdefizit oder das Wirtschaftswachstum gar nicht möglich ist. Immerhin, die Einführung einer Grenzausgleichsteuer ist wohl vom Tisch, was die Wahrscheinlichkeit eines globalen Handelskrieges verringert. Zudem ist nun die Einigung auf eine zumindest kleine, zeitlich befristete Steuerreform realistischer geworden. Den starken Stimmungsindikatoren zum Trotz war das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal sehr schwach. Gleichwohl hat die Investitionsdynamik der Unternehmen weiter zugenommen, was erfahrungsgemäß ein stärkeres Wirtschaftswachstum in der Zukunft nach sich ziehen dürfte.

Prognoserevision: Inflation 2017: 2,4 % (bisher: 2,6 %); 2018: 2,6 % (bisher: 2,7 %)

 

Die aktuelle Deka Volkswirtschaftprognose Mai/Juni gibt es hier komplett zum Download.

Quelle: Dekabank

 

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