Gastkommentar von Dr. Ulrich Kater: „Trump steht für Neo-Merkantilismus“

von Fabian Lutz am in Wachsen ist einfachKommentieren

Liebe Leser des Blogs der Sparkasse Regensburg. Als Chefvolkswirt der Dekabank freue ich mich über die Gelegenheit, mit Ihnen an dieser Stelle ein paar vertiefende Gedanken und Überlegungen zur US-Präsidentenwahl teilen zu können.

 

Die ersten Reaktionen an den Aktien- und Rentenmärkten dürften schnell abebben. Denn selbst ein US-Präsident kann das Ruder des mächtigen US-Wirtschaftstankers nicht im Alleingang herumreißen. Nachhaltige negative Auswirkungen wären allerdings vorstellbar, wenn das Land unmittelbar nach der Wahl ins politische Chaos schlittern würde.

Das Wahlergebnis zeigt, dass das Protestpotenzial der wirtschaftlich Benachteiligten in allen Industrieländern wesentlich größer ist, als es der Politik bisher bewusst war. Die Wahl Trumps steht wie das Brexit-Referendum für eine Renationalisierung der Wirtschaft. Das ist langfristig schädlich für Wachstum und Wohlstand. Kurzfristig kann die Wahl Trumps die US-Wirtschaft allerdings sogar beflügeln, wenn er die Staatsausgaben in Amerika erhöht, um seinem Versprechen nach amerikanischen Arbeitsplätzen nachzukommen.

Nach dem Seifenopern-Wahlkampf muss nun Realpolitik gemacht werden. Von den wirtschaftlichen Extremvorschlägen Trumps wie der Ausweisung von Ausländern, der Kündigung von Freihandelsabkommen und der Steuerreform für die Reichen wird wenig übrig bleiben. Zwar haben die Republikaner weiterhin eine große Machtposition im Kongress, allerdings ist Trump in seiner eigenen Partei isoliert. Am meisten wird Präsident Trump noch bei der Einschränkung des internationalen Handels ausrichten können.

 

Wirtschaftlich steht Trump für einen Neo-Merkantilismus: Eigene Arbeitsplätze, eigene Produktion und eigene Regeln bedeuten eine Rückführung der Globalisierung. Das wird insgesamt zu weniger Wohlstand führen. Es ist unwahrscheinlich, dass Amerika dadurch gerechter wird.

Die zu erwartende Ent-Globalisierung trifft die großen Industrienationen am meisten, darunter auch Deutschland. Auch für die Schwellenländer ist das ökonomisch und politisch eine schlechte Nachricht. Es kommt jetzt darauf an, dass dieses Ergebnis von allen Wählern und politischen Kräften akzeptiert wird. Ein Szenario von Anfechtungen oder sogar Unruhen nach dieser Wahl würde zwar die Wirtschaft nicht direkt und sofort einschränken. An den Finanzmärkten könnte sich die gesunkene politische Glaubwürdigkeit der USA aber negativ auswirken.

Der Wahlkampf hat aller Welt gezeigt, wie politisch zerrissen das Land ist. Die Gefahr ist groß, dass unter Präsident Trump die politische Glaubwürdigkeit der USA weiter leidet. Der große Verlierer dieser Wahl heißt Amerika.

 

Herzlich,

Ihr Dr. Ulrich Kater, Dekabank in Frankfurt am Main

 

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