Erfahrungsbericht HELFERWOCHEN: Wir roten Engel!

von Fabian Lutz am in Miteinander ist einfachKommentieren

Miteinander ist einfach_Hände_weißAm Anfang steht da eine Frage. Wann, frage ich mich, hat mir eigentlich das letzte Mal irgendjemand geholfen? Im letzten Winter, fällt mir ein, als meine Autobatterie überraschend ihren Geist aufgegeben hat. Da kam der nette Mann vom ADAC und hat meinen alten Benz wieder flott gemacht. Dafür war ich im dankbar, kein Thema. Aber das zählt nicht so ganz. Das ist ja sein Job. Menschen helfen, die Probleme mit ihrem Fahrzeug haben. Aber ohne Bezahlung, freiwillig, ohne Hintergedanken und nicht aus irgendeinem Schuld- oder Pflichtgefühl heraus? Da muss ich schon tiefer in der Vergangenheit kramen. Mein Umzug nach Berlin, denke ich. Als ein paar neue Bekannte unkompliziert mitangepackt haben. Fröhlich und unter großem Hallo haben sie mir den Inhalt eines ganzen LKW in den dritten Stock getragen. Aus einer lästigen Notwendigkeit wurde auf einmal eine schöne Überraschung, die wir bei Brotzeit und Bier lässig ausklingen ließen. Mit manchen von ihnen bin ich noch heute gut befreundet. Helfen verbindet.

Vielleicht ist es nur Einbildung. Oder hat uns das moderne Leben mit all seinen technischen Möglichkeiten und praktischen Einrichtungen nicht viel autarker und selbständiger als früher gemacht? Und damit einsamer? Wenn ich den Weg nicht weiß, schaue ich auf mein Smartphone. Wenn etwas kaputt geht, rufe ich meine Versicherung an. Und wenn ich in den Urlaub fahre, gebe ich meine Katzen in die Tierpension. Für alles und jeden gibt es heute eine bezahlte Dienstleistung. Das ist bequem und niemand wird belästigt. Okay. Aber ist Helfen denn wirklich eine unangenehme Sache? Fühlt sich der, dem geholfen wird, auch schnell bedürftig? Und wer hilft, rasch ausgenutzt? Ich muss unwillkürlich an den alten Spruch denken: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.

Stimmt aber nicht. Jedenfalls nicht, wenn wieder Helferwochen bei der Sparkasse Regensburg sind! Dann müsste es heißen: Hilf dir selbst, dann helfen dir andere. Freiwillig, unbezahlt und gut gelaunt: Eine schöne Überraschung für mich und dreihundertfünfzig hilfsbereite Kollegen und ungefähr noch einmal die gleiche Anzahl von Menschen von über fünfzig teilnehmenden Vereinen und Einrichtungen. Wir malern, tragen, schaufeln, schleppen, sägen, schrauben, bohren, hämmern, bauen und streichen. Wir sind die Helfer. Gemeinsam.Wir sind die roten Engel, tatsächlich. Fast sehen wir auch so aus, mit unseren T-Shirts und der Rückenaufschrift: Miteinander ist einfach. Haben wir ein kollektives Helfersyndrom?

Das musste ich herausbekommen. Erste Station: Strohhalm. Einsatztruppe: Private Banking. Mission: Mittagessen. Für über siebzig bedürftige und hungrige Gäste, das volle Programm in zwei Stunden, Suppe, Schweinebraten, Nachtisch. Kochen und servieren auf engstem Raum. Ein echter Culture Clash! Am Anfang lag die Spannung förmlich in der Luft – kein Wunder. Normalerweise beraten diese Jungs und Mädels vermögende Kunden zu komplexen Anlageprodukten. Jetzt treffen sie auf Menschen, die fast alles verloren haben. Doch was dann passiert, hat etwas Magisches: Kontaktaufnahme, Kommunikation! Den Helfern wachsen Flügel. Sie wachsen über sich und ihre Berührungsängste hinaus. Die Portionen, Teller, Schüsseln, Gläser schwirren nur so durch den heißen Raum, die Gesichter sind gerötet, glänzend, froh. Ich höre Lachen. Helfen macht Sinn.

Szenenwechsel, Schwielen an den Fingern. So stellte ich mir die Hände der Mitglieder des Regensburger Rudervereins vor. Das ist meine zweite Station. Malerisch an der Donau gelegen, das große Bootshaus. Als ich an diesem sonnigen Samstagmorgen mit meinem Motorrad auf den Hof knattere, sind die Engel schon im Himmel. Pardon, hoch auf dem Gerüst. Ihr Arbeitseifer ist so groß, dass sie mich erst gar nicht bemerken. Aber der Vereinsvorsitzende sieht gleich mein T-Shirt, springt auf mich zu, strahlt mich an und drückt meine Hand, so fest, als wäre sie ein Paddel. Einsatztruppe: Individualkundengeschäft. Mission: Frischer Anstrich. Wir sind fast fertig, lacht der Vorsitzende, kein Wunder bei dieser großen Mannschaft! Bleib doch noch, gleich machen wir Brotzeit. Dabei habe ich nur die Fotos geknipst. Ich bleibe gerne und notiere: Viel hilft viel.

Jetzt will ich aber auch endlich wieder selber ran. 2014 war es noch Wohlstandsmüll. 2016 nun Kinderglück. Grün ist also mein roter Faden, scheint es, ein Hochbeet für die Burgzwerge soll es werden. Dritte Station: eine neu gebaute Kita in Laaber. Das Wetter: Sonne pur. Einsatztruppe: Vorstandsstab und Geschäftskundenbetreuer. Auch unser stellvertretender Vorstandvorsitzender Dr. Rudolf Gingele ist mit am Start und voll motiviert. In wenigen Stunden haben wir zusammen mit den anwesenden Eltern alles zugesägt, getackert, verschraubt, befüllt und bepflanzt. Dann der süße Moment, in dem die Kids die Gießkannen über den gerade vom Baumarkt geholten Pflänzchen entleeren.

Wir Engel sitzen noch eine lange Weile im Ort. Vor uns die kühlen Gläsern, gefüllt mit Bier. Wir reden vertraut und schauen immer wieder hoch zur Burg. Helfen? Einfach unbezahlbar!

 

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