Kurzinterview mit Matthias Schmidl zum drohenden Brexit: Kühlen Kopf bewahren!

von Fabian Lutz am in Wachsen ist einfachKommentieren

23. Juni 2016. Auf dieses historische Datum fiebern die Märkte seit Wochen hin. Kein Wunder. Denn morgen entscheidet sich vielleicht nichts weniger als die Zukunft Europas. Die Briten stimmen darüber ab, ob sie in der Europäischen Union (EU) bleiben wollen oder nicht. Höchste Zeit also, um mit unserem Börsenguru Matthias Schmidl, dem Leiter der Wertpapierabteilung der Sparkasse Regensburg, ein paar Worte zu wechseln. Es eilt! 

 

Lieber Herr Schmidl. Seit Monaten verhandeln die Medien und die Politik die Vor- und Nachteile eines Brexits. Wie das Ding ausgeht, weiß allerdings keiner so genau. Glaubt man den Buchmachern, bleiben die Briten. Glaubt man den Umfragen, könnte es knapp werden. Was ist Ihr persönlicher Tipp und warum?

Meiner Meinung nach werden die Briten sich doch noch besinnen und für einen Verbleib in der EU stimmen. Jeder andere Wahlausgang würde mich stark überraschen. Warum? Weil ich denke, dass beim Gang zur Wahlurne dann doch die sprichwörtliche Rationalität der Engländer zurückkehrt und man nicht rein aus dem Bauch heraus entscheidet. „Das Herz sagt geh, der Kopf sagt bleib“ trifft die Gefühlslage vieler Briten derzeit wohl am Besten. Hoffentlich behält im Sinne aller Beteiligten der „Kopf“ die Oberhand.

 

Noch ein Zitat: „In is in und out is out!“, sagte Wolfgang Schäuble vor kurzem so treffend in einem Interview. Bleiben die Briten, können wir das leidige Thema zum Glück für eine lange Weile abhaken. Wollen sie tatsächlich raus, wird es echt spannend. Investorenlegende Soros spricht schon von einem Auseinanderbrechen der Eurozone. Das klingt apokalyptisch. Andere vermuten, dass es an den Börsen am Freitag mächtig knallen wird. Was ist am wahrscheinlichsten? Europas Untergang oder „bloß“ ein schwarzer Freitag? Was würde technisch gesehen in etwa passieren?

Nun ja, aktuell haben die Kapitalmärkte mit der Entwicklung der letzten Tage ein „Bremain“ vorweggenommen. Sollte es wider erwarten doch zu einer Mehrheit für einen Austritt kommen, würde es am Freitag nach Bekanntgabe der Ergebnisse sicherlich ordentlich zur Sache gehen. Die Volatilität würde sprunghaft ansteigen. Bei einem Votum für einen Brexit, ist die große Gefahr allerdings nicht das Austreten der Briten, sondern eine daraus resultierende Instabilität Europas. Als nächstes Event stehen dann schon die Wahlen in Spanien vor der Türe und die Tendenzen sich wieder in die jeweiligen Nationalstaaten zurückzuziehen könnte weiter zunehmen. Ein starkes Europa braucht aber genau das Gegenteil. Für die Bewältigung der bevorstehenden Herausforderungen, allen voran der Flüchtlingskrise, braucht Europa Einigkeit um klare Entscheidungen zu treffen.

Technisch gesehen würde ein Austritt aber nicht von heute auf morgen ablaufen. Es müssten viele Verträge neu geschrieben und verhandelt werden, was sich über Jahre hinziehen würde. Aber nochmal, die Nachteile eines Austritts für Großbritannien wären weit größer, als die Resteuropas.

 

Was die Anleger in und um Regensburg interessiert ist natürlich, wie sie sich im Fall der Fälle verhalten sollen. Wie ich Sie kenne, haben Sie in der Wertpapierabteilung der Sparkasse Regensburg einen Notfallplan B parat. Wie sähe der aus? Was sollen Kunden tun, die Angst um ihre Investments haben?

Bei solchen Events gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren. Panik wäre hier falsch, da die Märkte in Fall eines Austritts im ersten Moment sehr übertrieben reagieren werden. Man dürfte sich aber nach einiger Zeit wieder besinnen und versuchen, die Lage rational zu analysieren. Und man wird dann zu dem Ergebnis kommen, dass sich am „großen Bild“ nichts verändert hat: Die Assetklassen Renten und Immobilien bleiben teuer, Aktien hingegen bieten Potential, was übrigens auch losgelöst vom Ausgang des Referendums gilt. Für alle Kunden gilt natürlich immer: Wer Sorgen oder Fragen hat, kann sich jederzeit bei uns melden. Wir sind für Sie da!

Vielen Dank Herr Schmidl, für diese beruhigende Einschätzung eines Börsenprofis. Dann drücken wir mal die Daumen, dass alles gut geht! 

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