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Gastgespräch #MASTEROFTHEUNI-VERS: Thomas Spitzer fragt Felix Lobrecht

Am 19.4. präsentiert die Sparkasse Regensburg den Poetry Slam MASTER OF THE UNI-VERS im Audimax der Universität Regensburg. Der Slam ist mit 1470 ZuschauerInnen der größte Poetry Slam Bayerns, die Tickets sind fast weg. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs übernimmt die Schirmherrschaft, die lokale Blues-Rock-Gruppe The Electric Panthers unterstreicht das Geschehen musikalisch. Thomas Spitzer organisiert und moderiert das Event.

 

Im Lineup ist unter anderem Felix Lobrecht. Der Comedy-Autor wuchs in Berlin auf und studierte Politik-Wissenschaften in Marburg. Er war Teilnehmer beim NDR Comedy Contest und dem Comedypokal in Hamburg. Beim Nightwash Talent Award kam er ins Finale, das Jahresfinale des Quatsch Comedy Clubs konnte er sogar für sich entscheiden. Außerdem hat er im Dezember 2016 die Berliner Stadtmeisterschaft im Poetry Slam gewonnen. Im Moment startet Felix mit seinem Standup-Programm „kenn ick“ durch. Felix hat auch eine intellektuelle, nachdenkliche Seite. Sein Romandebut „Sommer in Neukölln“ erscheint im Frühjahr 2017 als Spitzentitel bei Ullstein und wird in Insiderkreisen schon jetzt als kleine literarische Sensation gehandelt.

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(c) Marvin Ruppert

 

Hallo Felix. Mir ist zu Ohren gekommen, dass die Premiere deines Soloprogramms „kenn ick“ nicht nur ausverkauft, sondern auch inhaltlich ein voller Erfolg war. Das Hamburger Publikum war begeistert. Glückwunsch dazu! Kannst du kurz erklären, worum es im Programm geht?

Erstmal Danke für die Glückwünsche. Der Auftakt war wirklich ein voller Erfolg. Vor 180 Leuten zu spielen, die nur meinetwegen gekommen sind, ist schon ein abgefahrenes Gefühl. Und wenn es dann auch noch gut, oder sogar sehr gut läuft, kann das fast nicht mehr getoppt werden vom Feeling her. Für mich war die wichtigste Erkenntnis, dass ich das kann – also 90 Minuten lang allein auf der Bühne zu stehen, mit meinen Quatsch und die Leute zu unterhalten – ist ja schon nochmal was ganz anderes, als mal eben 5, 10 oder 20 Minuten zu rocken bei Slams oder Comedy Mixed Shows oder so.

Inhaltlich dachte ich mir, beschäftige ich mich mit dem Thema, mit dem ich mich am besten auskenne. Nämlich Felix Lobrecht, da bin ich Experte. Das Programm ist quasi ein Kurzüberblick über mein Leben. Ich erzähl von Berlin-Neukölln, also da wo ich aufgewachsen bin, meiner Schulzeit dort, meinen vielen Nebenjobs, meinem Studium, Marburg, also der Stadt in der ich gerade wohne, von meinen Freunden und meiner Familie. Also von allem, was im weitesten Sinne mit mir assoziiert ist, da kann ick wenigstens sicher sein, dass ich keinen Quatsch erzähle. Ziel von dem Programm ist es quasi, mich vorzustellen. Außerhalb des Slams kennt mich ja keine Sau. Das Programm ist quasi meine Visitenkarte. Wenn die Leute dann ein paar mal gelacht und sich nicht gelangweilt haben und abends nach Hause gehen und dann sagen können: „Felix Lobrecht: kenn ick!“, bin ich schon sehr zufrieden.

Du giltst eher als wortkarg. Ich würde sogar so weit gehen und sagen: Bei deinen Comedy-Nummern sind die Pausen fast wichtiger als die Worte. Wie hat sich dieser Stil entwickelt? Bist du von Anfang an so aufgetreten?

Ich bin nicht von Anfang an so aufgetreten. Wie glaube ich jeder Bühnenmensch, sei es Slammer, Comedian, Musiker, was auch immer, habe ich auch viel Zeit gebraucht, um meinen Style zu finden. Wie das bei mir jetzt genau gekommen ist, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich es immer mehr schaffe, das, was ich selber wirklich lustig finde, genau so zu formulieren und auf die Bühne zu bringen. Dass dafür lange Pausen wichtig sind, wusste ich vorher nicht. Klassisches Trial-Error-Prinzip. Was vielleicht noch interessant ist: Im Programm rede ich selbstverständlich nicht 90 Minuten lang so langsam. Ich glaube, das wäre sehr anstrengend und langweilig zum Zuhören. Ich habe mich da auch ein Stück weiterentwickelt. Jetzt kombiniere ich meine normale Sprechgeschwindigkeit mit diesem sehr ruhigen Elementen. Einfach weil es besser zum Zuhören ist über so eine Zeitspanne und vor allem, weil ich im echten Leben ja auch nicht so extrem langsam spreche. Es ist quasi die Weiterentwicklung meines Stils, ich glaube, ich habe nun endlich final mein Ding gefunden und bringe mich besser auf die Bühne denn je.

 

Auf YouTube sind deine Videos kleine Sensationen. Sie werden nicht nur tausendfach geschaut, sondern auch sehr lebhaft – und vorwiegend positiv – kommentiert. Ich weiß, das ist immer blöd zu beantworten, aber: Was glaubst du, macht deine Faszination aus?

Hmm. Sollte es sowas wie eine Felix-Lobrecht-Faszination geben, dann, weil die Leute mir mein Zeug abkaufen. Ich bin authentisch auf der Bühne und ich glaube, das kommt bei den Leuten an. Die Frage ist dann nicht mehr, ob man mich lustig findet oder nicht, sondern ob man mich als Typ feiert oder eben nicht. Momentan habe ich den Eindruck, den Menschen gut zu gefallen. Passt vielleicht gerade gut in die Zeit oder so – kann sich aber auch wieder ändern. Was auch noch wichtig sein könnte, für die „Faszination“ – Menschen haben ja immer irgendwelche Erwartungen und Bilder zu etwas im Kopf. Ich auch, jeder. Wenn man beispielsweise 500 random ausgewählte Poetry Slam-Gäste befragen würde, wie sie den „Typischen Slammer“ beschreiben würden, sowohl optisch als auch textlich, würde da höchstwahrscheinlich etwas herauskommen, das nichts mit mir zu tun hat. Bei Stand-up-Comedy genau so. Ohne es forciert oder drauf angelegt zu haben, breche ich halt komplett die Erwartungen – das finden manche dann scheiße, manche aber auch nicht. 

In meinen Augen bist du ganz klar ein Vertreter der Typen-Comedy. Das bedeutet, dass du weniger eine Welt inszenierst, sondern mehr dich selbst in der Welt, der muskelbepackte, wortkarge, halbstarke Student mit Berliner Akzent und Hipster-Klamotten. In der Comedy-Theorie heißt es: „There are people who tell things funny and there are people who tell funny things.“ Von beiden Bereichen gibt es in Deutschland prominente Vertreter. Torsten Sträter, Nico Semsrott sind zum Beispiel auch eher Typen, „who tell things funny“. Marc-Uwe Kling und Dieter Nuhr sind Leute, die für sich genommen nicht witzig sind aber eher witzige Dinge erzählen. War das eine bewusste Entscheidung, dass du diesen Weg gehst? Was ist das für ein Gefühl, quasi eine Comic-Figur aus sich selbst zu schnitzen? Beeinflusst es dich im Alltag, also gibt es Situationen, in denen du merkst: Moment mal, jetzt bin ich der Bühnen-Felix und nicht mehr ich?

Als allererstes mal muss ich kurz mal etwas klarstellen: Ich bin sehr stark und nicht halbstark und ich trage keine Hipsterklamotten :). Ne, mal im ernst. Tatsächlich trage ich im Wesentlichen immer noch den selben Stil an Klamotten, wie mit 17 in Neukölln. Ich glaube eher umgekehrt wird ein Schuh draus – diese Hipsterbewegung orientiert sich ja immer an urbanen Looks, in Deutschland an dem aus Berlin. Mir ist es selber zuletzt krass aufgefallen, weil die jetzt auch Bomberjacken von Alpha-Industry tragen und so. Das war früher absolute Berlin Streetwear – ich hab immer noch meine Bomber von früher zu Hause im Schrank. Dasselbe mit den Schuhen: wir hatten früher schon Reeboksneakers, oder Airmax oder was auch immer an – das haben die von uns und nicht umgekehrt. Meine Prognose für die nächste Hipster-Trendfrisur ist übrigens: Boxerschnitt. Wäre nur konsequent.

Jetzt zu der eigentlichen Frage. Typencomedy. Das schließt ja sehr gut an dem an, was ich bei der Frage vorher schon hoffentlich nachvollziehbar erläutert habe. Ich habe meine „Karriere“ oder wie ich auf der Bühne auftrete, nicht auf dem Reißbrett geplant, das hat sich entwickelt. Ich habe mich immer am wohlsten gefühlt, mit einem Style, der mir wirklich liegt, weil er sehr nah an mir als Person dran ist. Ich finde auch nicht, dass ich eine Comic-Figur aus mir geschnitzt habe – meine Bühnenfigur ist ja quasi nur eine gehiglightete Version vom echten Felix. Also ich in Auszügen, nämlich den bühnentauglichsten und unterhaltsamsten. Alles von mir kommt nicht auf die Bühne, deshalb habe ich auch nicht das Gefühl, aus mir als Ganzem eine Kunstfigur zu machen.

Ob ich manchmal im Alltag zu Bühnenfelix werde? Klar. Manchmal mit Absicht, manchmal nicht, dann müssen mir Leute das sagen, weil ich es manchmal gar nicht so merke.

 

Deine Art, Comedy zu machen, ist sehr einzigartig. Du redest langsam, machst viele Pausen, beinahe erschreckend viele Kalauer und etwas, das ich jetzt einfach mal als „lobrechtschen Nicht-Witz-Witz“ bezeichne: Deine Gags scheinen irgendwo zu funktionieren zwischen „so blöd, dass sie schon wieder gut sind“ und „so blöd, dass sie schon wieder so gut sind, dass sie schon wieder so blöd sind, dass sie schon wieder so gut sind“. Entstand diese Art, Comedy zu machen aus einer Abneigung gegenüber den gängigen Klischees, (deutsche) (Fernseh-)Comedy müsse immer überdreht sein, flach, schrill und clownesk?

Auch hier wieder: ich habe das nicht geplant oder so. Das ist halt einfach mein Humor. Meinen eigenen Stil habe ich, seitdem ich es schaffe, den immer besser auf die Bühne zu bringen.

Und zum zweiten Teil der Frage: das schließt ein bisschen bei dem an, was ich vorhin erzählt habe mit den Erwartungshaltungen der Zuschauerinnen und Zuschauer. Ich funktioniere meistens gut, weil ich nicht die stereotype deutsche Kaspercomedy mache – das war keine bewusste Entscheidung, das nicht so zu machen, aber es stand de facto auch nie im Raum, dass ich so etwas machen könnte, weil ich es größtenteils unglaublich albern und scheiße finde. Mit etwas, das mir nicht gefällt, würde ich mich nicht auf die Bühne stellen. Zumindest nicht unter meinem Namen.

 

 Hast du Vorbilder im Comedy-Bereich? Wenn ja: Welche?

Vorbilder im klassischen Sinne habe ich nicht. Hatte ich nie. Nicht weil ich die Leistungen anderer nicht anerkenne oder so, sondern weil ich glaube, dass Niemand anderes als 100%-Vorbild für einen selber dienen sollte. Was ich aber durchaus habe, sind Leute, die ich selber lustig oder inspirierend finde. Ich lache viel über Mitch Hedberg, Kevin Hart, Till Reiners, Torsten Sträter, Nico Semsrott und Moritz Neumeier. Gibt wahrscheinlich noch viel, viel mehr, aber ich kenne mich ehrlich gesagt gar nicht sonderlich gut aus mit Comedy und gucke mir nicht viel an. Außerhalb des Comedybereichs sind aber die für mich lustigsten Menschen, die mich am meisten inspirieren, die ich am lustigsten finde. Beispielweise mein Bruder Julian, einer der lustigsten Menschen der Welt wie ich finde. Oder meine Freundin Afra, meine Kumpels José, Maik, Robin oder von früher Toycan, Kerem, Miko – von denen habe ich viel „gelernt“.

 Was sagst du zu der Ansicht, moderne Comedy müsse „böse“ sein?

Glaube ich nicht dran. Ich glaube moderne Comedy muss, wie alte Comedy, einfach lustig und innovativ sein. Ich glaube dieser Drift ins ‚Böse‘ ist nur Reaktion auf die Pseudotatsache, dass im ‚nicht-Bösen‘ schon alles gesagt wurde – quasi die letzte Bastillon, in der noch innovative Witze zu holen sind. Glaube ich aber nicht dran. Ich bin der Meinung, dass, wenn man selber einfach lustig und kreativ ist, wird man selber nie in die Situation kommen, dass alles schonmal gesagt wurde. Wie auch? Jeder sieht doch die Welt durch seine eigenen Filter. Wie will einem jemand, all die Beobachtungen und potenziellen Witze, die man so macht, vorwegnehmen können.

Ich möchte aber nicht falsch verstanden werden: ich find derben, schwarzen Humor sehr witzig, wenn er gut gemacht ist. Ich finde es auf Dauer vielleicht ein bisschen langweilig, wenn Jemand nur diese Sparte bedient, aber das ist in allen anderen Comedysparten genau so. Die Mischung macht’s.

 

Viele deutsche Nachwuchs-Comedians glotzen Tag und Nacht britische und vor allem amerikanische Comedy. Das führt bisweilen dazu, dass gerade Nachwuchswettbewerbe zu einer Art Louis-CK-Sound-Alike-Contest verkommen. Auch im Comedy-Bereich gab es in letzter Zeit so den ein oder anderen Plagiats-Skandal, weil gerade junge Comedians aus einem Produktionsdruck heraus ganze Passagen von englischsprachigen Programmen kopiert und übersetzt haben. Wie bewertest du das? Glaubst du, Comedy ist grundsätzlich etwas amerikanisches, was sich immer an amerikanischen Standards messen muss wie – sagen wir – HipHop und Fernsehserien oder ist es eher etwas, das jeder Kultur innewohnt wie – sagen wir – Literatur und Musik?

Ich glaube nicht, dass Comedy etwas amerikanisches ist. Dieser Eindruck entsteht vermutlich nur, weil Comedy dort in meinen Augen, und anscheinend auch derer vieler Anderer, einfach besser gemacht wird. Trockener, unaufwendiger im Sinne von keine Kostüme oder tausende Requisiten – einfach ein Mikrofon und ein lustiger Mensch – fertig.

Stand-up-Comedy hat ja in Deutschland (zurecht) so einen schlechten Ruf, einfach weil es größtenteils so scheiße gemacht wird. Die Künstlerinnen und Künstler sollten sich weniger auf das, was andere machen konzentrieren und einfach ihr Ding durchziehen. Wenn das gut ist, wird das schon klappen, glaube ich. Und wenn nicht, dann ist man wenigstens einigermaßen real geblieben und hat sich nicht mit fremden Zeug zum Clown gemacht. Ich gucke mir beispielsweise fast gar nichts von anderen Comedians an, weder auf Deutsch, noch auf Englisch – Nicht weil ich so arrogant bin, alles außer mir scheiße zu finden, sondern einfach, weil mich das total biast. Wenn ich mir eine Stunde Programm von xy angucke und mich kaputt lache und danach versuche selber Witze zu schreiben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich mich, ohne es zu wissen, voll an dem Zeug von dem oder der eben gehörten orientiere. Das will ich nicht, ich will meins machen.

 

Im Feuilleton wird Poetry Slam nach wie vor – und teilweise zu Recht – kritisch beäugt. Das Veranstaltungsformat sei zu zart, zu beliebig, zu repetitiv. Die Skandalnudel Ronja von Rönne bezeichnete Slam kürzlich als „Segway der Literatur“, also eher etwas für Softies. Wie gehst du mit solchen Vorwürfen um? Was findest du positiv am Poetry Slam, was negativ?

Positiv: Es ist ein (zumindest in der Theorie) stiloffenes Format, für Leute, die schreiben. Im Gegensatz zu allen anderen Bühnenformaten, wo einem gesagt wird „mach das so, sonst passt das nicht zu x“, oder „ey, das ist doch gar nich y, verpiss dich“, bietet Poetry Slam kreativen Leuten einfach eine Bühne. Ich sage aber bewusst „in der Theorie“, weil das auch nicht immer wirklich gegeben ist. Ich werde auch oft nach Slams angesprochen, teilweise von Gästen, teilweise aber sogar von Kolleginnen und Kollegen, die mir sagen: „das was du machst, ist doch gar kein Slam, sondern Comedy“ – da stelle ich mir die Frage, wie will man denn einen selbsterklärt stillosen Stil intensional definieren.

Weiterhin positiv ist die Reichweite. Ich glaube nirgendwo sonst, hat man als Bühnenanfänger so schnell die Möglichkeit, sich und sein Zeug einem wirklich großen Publikum zu präsentieren. Von Publikumszahlen, die ich bei meinem ersten Auftritt jemals hatte, ohne etwas dafür getan zu haben, träumen andere ein Leben lang

Man lernt beim Slam wirklich talentierte, kluge und sehr kreative Menschen kennen. Natürlich, wie überall im Leben auch sehr sehr viele Idioten, aber eben auch wirklich beeindruckende Boys und Girls.

Slam ist ein super Sprungbrett, wie man an Marc-Uwe Kling, Patrick Salmen, Nico Semsrott, Julius Fischer, Nora Gomringer und vielen anderen sieht.

Negativ: Slam langweilt. Sehr oft habe ich das Gefühl, Sachen schon tausendmal gehört zu haben. Sowohl inhaltlich, als auch stilistisch. Ich finde, dass Slam quasi aus sich selbst heraus typische Slamtexte, Rhytmen, Thematiken, Dramaturgie- und Gagschemata entwickelt hat. Es kommt zwar immer mal wieder etwas neues dazu, aber vieles ist sich auch sehr ähnlich.

Slam wird von Leuten wie Frau von Rönne nur belächelt und auch immer belächelt werden, weil Slam sich teilweise auch einfach belächelnswert verkauft. Es macht sich kleiner und unprofessioneller als es ist.

Leute verlieren sich im Slam. Es ist heute ja relativ schnell möglich vom Auftreten auf Poetry Slams zu leben. Zwar nur den Studentenlifestyle mit WG-Zimmer und pipapo, aber man kommt über die Runden. Der Fehlschluss, den viele daraus ableiten, nämlich das könne ewig so weitergehen und deshalb beispielsweise sein Studium zu schmeißen, halt ich aber für sehr fragwürdig. Nur weil jemand hier und da mal einen Slam gewinnt, kann er noch lange nicht langfristig von der Kunst leben. Ich glaube es ist wichtig, wenn man Bühne beruflich machen will, nicht „nur“ auf Slam zu setzen. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja auch in den nächsten Jahren, weil das Format weiterwächst und Künstlerinnen und Künstler immer höhere Gagen etc. bekommen. Ich kann aber nur vom Status quo ausgehen

Es ist schwer, als Slammerin oder Slammer als individueller Künstler wahrgenommen zu werden. Ich glaube, Menschen gehen zu Poetry Slams, weil sie das Format feiern und nicht wegen einzelnen Leuten im Line-up. Will sagen, selbst wenn man einen großen Slam gewinnt, weil 1000 Leute einen im Finale zujubeln, heißt das noch lange nicht, dass diese 1000 Leute auch zu einer Soloshow von eben jenem Abengewinner / -gewinnerin gehen würden – eben weil es um das Format geht. Im nächsten Monat ist wieder Slam, mit anderen Leuten und die selben 1000 Zuschauer bejubeln wen anders im Finale.

 

Dieses Jahr gehst du mit „kenn ick“ auf Tour. Was hat es mit dem Titel auf sich? Ist das eigentlich eine Mario-Barth-Hommage, quasi eine Antwort auf die Frage: „Kennste? Kennste?“?

 Nein!

 

Gleichzeitig schreibst du an deinem er(n)sten Roman „Sommer in Neukölln“. Ist das eigentlich eine einmalige Sache oder willst du auch langfristig zweigleisig fahren, Comedian sein und Autor?

Sommer in Neukölln’ ist erstmal nur der Arbeitstitel, wie es am Ende wirklich heißen wird, weiß ich noch nicht. Ich weiß auch noch nicht, ob das eine einmalige Sache ist und wie ich das Comedian- und Autorendasein unter einen Hut kriege. Aber gerade das macht es so spannend. Es haben sich halt in beide Richtungen Chancen geboten und die wollte ich nicht verstreichen lassen. Ich finde, dass beides seine Reize hat. Solche, die das jeweils andere nicht bieten kann. So kann das Schreiben zu Hause das Gefühl, einen Saal voller Menschen zum Lachen zu bringen nicht aufwiegen. Umgekehrt kann das Erzählen von Witzen auch die Ruhe beim Schreiben, die Möglichkeit, sich wirklich tief in eine komplexere Geschichte zu denken usw. nicht bieten. Gerade finde ich beides zusammen cool, auch wenn es sehr anstrengend ist manchmal.

 

Zum Schluss noch: Was erhoffst du dir vom MASTER OF THE UNI-VERS?

Ich steh auf Hörsaalslams. Ich mag das Feeling und ich liebe es, vor riesigem Publikum aufzutreten. Und vom Uni-Vers erwarte / erhoffe ich mir genau das: geile Auftritte vor vielen Menschen, die dann im Optimalfall noch lachen und am Ende für mich jubeln 🙂

Vielen Dank für das Gespräch, Felix. Bis auf bald, in Regensburg!

(c) Fotografie Julian Lobrecht & Marvin Ruppert

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