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SPARKASSE KUNST: Einführung in die Ausstellung durch Frau Dr. Agnes Tieze

Liebe Kunst- und Kulturfreunde, liebe Kunden, am gestrigen Abend wurde unsere Ausstellung „Im Wachsen“ feierlich in der Zentrale der Sparkasse Regensburg eröffnet. Mehr als 300 Gäste waren anwesend, als die Werke der vier jungen Künstler zum ersten Mal einem geladenen Publikum präsentiert wurden. In den nächsten Tagen und Wochen freuen wir uns auf viele weitere Besucher in den Ausstellungsräumen in der Lilienthalstraße. Zur Einstimmung veröffentlichen wir an dieser Stelle die offiziell gehaltene Einführung durch die Direktorin des Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Frau Dr. Agnes Tieze.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse! 

 

Der Titel unserer Ausstellung „Im Wachsen“ steht zum einen für eine junge Künstlergeneration. Zwischen 1974 und 1988 geboren sind die Künstlerinnen und der Künstler, die in der heute zu eröffnenden Ausstellung der Sparkasse Regensburg vertreten sind, alle in Regensburg und der Region tätig und haben in der Kunstszene bereits erste Aufmerksamkeit erregt. Fast zufällig charakterisiert der Titel aber auch das verbindende Sujet, das – figürlich oder eher abstrahierend – der hier präsentierten Auswahl von Werken von Fabian Bertelshofer (*1988), Inken Hilgenfeld (*1974), Barbara Sophie Höcherl (*1983) und Fanny Jacquier (*1984) zugrunde liegt. Dabei handelt es sich nicht um eine Ausstellung traditioneller Bildgattungen mit Landschaftsbilder oder Blumenstillleben – vielmehr werden teils neue, immer aber ungewöhnliche Wege bestritten, die Natur auf einem Blatt Papier erfahrbar zu machen. Die Auseinandersetzung mit dem Vegetabilen, mit der Landschaft, die Techniken, der kreative Impuls und die persönliche Handschrift sind dabei heterogen. Allein die Verwendung des Bildträgers illustriert die Vielseitigkeit von Papier: mal großformatig, mal auf kleinem Format, mal seriell bezeichnet, mal geschichtet, mal als Fragment eines großen Ganzen dicht an dicht aneinandergefügt, mal von der Rolle abgerissen. Persönliche Erlebnisse und Inspirationen werden darauf mit Bleistift, Tusche, Buntstift, Ölkreide, Aquarell- und Ölfarben, gar mit Pflanzensaft oder unter Zuhilfenahme einer Schere gebannt. „Im Wachsen“ zeigt aber auch den kreativen Arbeitsprozess, der dem Kunstwerk vorausgeht. Etymologisch stammt der Begriff kreieren von dem lateinischen Wort creare ab, was im Deutschen erschaffen und ursprünglich wachsen machen bedeutet. Und wachsen lässt die Sparkasse Regensburg auch dieses Jahr wieder Kunst auf Papier, einige Werke sind eigens für diese Ausstellung entstanden oder stammen aus den aktuellen Schaffensperioden der Künstlerinnen und des Künstlers.

 

 

Barbara Sophie Höcherl, die an der Akademie Regensburg für Kunst und Gestaltung sowie der Westböhmischen Universität für Kunst und Design in Pilsen studiert hat, hat auf ihren Streifzügen durch Wiesen und Wälder fast ein kleines Naturalienkabinett angelegt. Blätter, Äste, Steine, aber auch Insekten als Trockenpräparate und organische Elemente anderer toter Tiere dienen ihr als Ausgangsmaterial für Zeichnungen und Collagen. Ein neuer Formschnitt verpasst einem Laubblatt eine neue Gestalt, indem es zu einem Hochsitz verfremdet wird. Einen ersten Eindruck liefert das Bild auf der Einladungskarte zur Vernissage, das einen der Scherenschnitte Höcherls wiedergibt. Das Laubblatt scheint im Boden verankert zu sein, der Hochsitz erhebt sich auf filigran anmutenden Stelen und spielt mit der reliefartigen Oberfläche des organischen Materials. Mit Pflanzensaft präzisiert Höcherl die Zeichnung und wie selbstverständlich fügen sich in ihren weiteren Arbeiten Astfragmente, gepresste Laubblätter oder Vogelfedern ein. Sparsam koloriert werden sie zu neuem „Leben“ erweckt, als ob das poetische Bild eines Bootes oder einer Figur natürlicherweise die letzte Bestimmung genau dieses Blattes oder jenes Zweigleins ist. Dabei verabschiedet sich Höcherl von der strengen Ordnung des Sammelns hin zu einem anmutigen Ineinanderfließen von Artifiziellem und Natürlichem. Bei ihrem Schichtwerk, das aus mehreren aufeinander gelegten mit Tusche bezeichneten Transparentpapieren besteht, verschmelzen die verschiedenen von Plexiglasplatten gehaltenen Einzellagen zu einem Gesamtkunstwerk, in dem es um Natur und Bewegung geht. Die leblosen Tierkörper in den Einweckgläsern erhalten einen Hauch von Bewegung zurück, die zarten Federstriche changieren und suggerieren etwa den Flügelschlag eines Falters oder Schmetterlings.

 

 

Ähnlich wie die Pflanzenwelt mitunter ganze Häuserfassaden erobert, holt Fanny Jacquier die Natur auf ihre 2,70 x 4 m große Wandinstallation. Dicht an dicht hängen die Blätter, bereit sich bei einem Windhauch zu wölben oder bei Stille einen schützende Blätterkokon aufzubauen. Jede der Einzelzeichnungen dokumentiert ein Stück Natur und bleibt dabei ein Teil eines ganzen Blätterwaldes, ein komplexes Prinzip für sich stehender Fragmente. Fanny Jacquier skizziert die Natur in anderen Arbeiten aus dem Zugfenster und porträtiert die im Vorbeifahren gesehenen Häuser, Bäume und Wiesen aus dem Bewegungsmoment heraus. Zurück im Atelier entstehen anhand dieser Skizzen duftig kolorierte Zeichnungen mit großen Leerflächen und zarten Schraffuren. Letztere fangen die zu Farbformen verschwimmenden Motive wie Pixel ein und verleihen der Darstellung Struktur, fast technisiert. Immer wieder beleuchtet Fanny Jacquier, die an der Universität Regensburg, an der Université de La Réunion und an der École Supérieure d’Art de Clermont Métropole studiert hat und nach einer zweijährigen Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin am Institut für Kunsterziehung, Universität Regensburg nun als freischaffende Künstlerin und Illustratorin in Regensburg tätig ist, die Frage nach der Bewegung, nach dem Drinnen und dem Draußen.

 

 

Fabian Bertelshofer setzt sich mit der Figur in der Natur auseinander, er beschäftigt sich mit der Natur als in der Aktion des Wanderns erfahrbarer Raum. Seine Papiere reißt er, ohne sie zu begradigen, von der Rolle ab, was dem urwüchsigen Charakter von Motiven aus der Bergwelt durchaus steht. Als Vorbild benutzt er Ausdrucke teils auch älterer Fotografien aus dem Familienalbum und treibt sie an die Grenze der Abstraktion, indem die Farbe auch bei großen Formaten nur sparsame Verwendung findet oder sich in den Tuschezeichnungen die Dunkelzonen verselbstständigen. Ein besonderes Eigenleben entwickeln Fabian Bertelshofers Filmprotokolle, die unzählige Einstellungen und das „Zusammenwachsen“ einer Handlung zu einer dichten Textur dokumentieren. Am Ende bleibt ein schwarzes Feld – statt unzählige Erzählräume eine tiefdunkle Fläche, stellvertretend für die Erinnerung, die an einzelne Episoden schemenhaft zurückbleibt. Um welche Filmvorlagen es sich handelt, gibt der Künstler nicht preis – etwa weil es sich nicht nur um Naturfilme handelt, möchte man vielleicht argwöhnen? Nein, vielmehr um den Betrachter nicht zu beeinflussen, um ihm nicht die Idee eines Bildes, einer Visualisierung vorzugeben. Fabian Bertelshofer hat an der Universität Regensburg ein Studium der Kunsterziehung absolviert und studiert seit 2014 Freie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg.

 

 

Bei Inken Hilgenfeld, die bereits vor rund zehn Jahren ihr Studium der Freien Kunst an der Kunsthochschule Berlin Weißensee abgeschlossen hat und Meisterschülerin bei Karin Sander war, steht nicht das zu porträtierende Motiv selbst im Zentrum, als Modell dient jeweils ein Schatten – der Schatten eines Blütenzweiges, einer Vase oder eines Stuhls. Trotz Aufgabe der motivischen Hell-Dunkel-Modellierung, trotz Aufgabe von Plastizität oder Binnenstruktur wirkt das Ergebnis der scherenschnittartigen Werke überraschend konkret. Die Momenthaftigkeit, in der sich der Schatten nur jeweils für kurze Zeit zeigt, betont subtil den Vanitasgedanken, der Blumenstillleben seit der Frühen Neuzeit begleitet und Künstler veranlasst hatte, einzelne welke Blumen, Pflanzen anknabberndes Getier, eine ausgepustete Kerze oder gar einen Totenschädel in die Darstellung einzufügen. Inken Hilgenfeld thematisiert in ihren Tuschezeichnungen somit auf eine neue Weise die Vergänglichkeit als einen Aspekt des Vegetabilen. Der Scherenschnittartige Charakter, den der harte Kontrast der Tusche auf dem hellen Papier erzeugt, und die Kunst der figürlichen Andeutung kehren in den Collagen der Künstlerin wieder. Das fotografische Ausgangsmaterial ist filigran ausgeschnitten: eine Tanne neben einer Teppichrolle, gerüstartige Elemente, eine Lichterkette an einer kannelierten Säule ohne Kapitell und Basis oder Stylobat. Der stenograpische Erzählduktus hinterlässt in seiner Offenheit und dank der Kunst des Andeutens Raum für die wachsende Fantasie des Betrachters, dem sich eine individuelle Erzählwelt eröffnet.

 

 

 Dr. Agnes Tieze

Direktorin Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Regensburg

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