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SPARKASSE SPORT: Plinkelix und die Schuhplattler

Als gebürtiger Hesse ist mir klar, dass in Bayern vieles anders ist. Aber das? Ist das wirklich ein Sport? Ich weiß nicht so recht, was ich denken soll. Man lebt hier in einer eigenen Welt.  Meine Eltern haben mir beigebracht, dass man sich an die regionalen Gepflogenheiten anpassen muss. Aber gleich mein ganzes Koordinatensystem ändern?

Aber langsam. Unser altgedienter Sparkassen-Kollege Heinrich Zenger ist Schuhplattler, Volkstänzer, Musiker und Alleinunterhalter.  Als Vorstand des Trachtenvereins in Kallmünz liegt ihm die Weitergabe bayerischer Kultur und Tradition sehr am Herzen. Dabei haben er und seine Vereinsmitglieder schon auf der ganzen Welt gezeigt, was bayerische Lebensart alles bewegen und bedeuten kann. Und jetzt kommt da so ein junger „Praiß“ daher und behauptet doch glatt, Schuhplattln sei gar kein Sport!  

 

Trotz meiner Skepsis darf ich aber an einem Dienstagabend im Oktober an einem Training in dem hübschen Städtchen an der Naab teilnehmen. Ich bin wild entschlossen, ein echter Schuhplattler zu werden!  Vor Ort das erste Erstaunen: Anders, als erwartet, treffe ich nicht nur Alteingesessene, sondern auch viel bayerisches Jungvolk an, das die vom Aussterben bedrohte „Sportart“ weiterleben lassen will.

 

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Nach kurzer Vorstellungsrunde beginnt auch für mich das Abschlusstraining für den Auftritt am Samstag! Ja genau, ihr habt richtig gelesen. Nach nur einer Trainingseinheit soll ich bei einem Auftritt vor zweihundert Gästen mitmachen. Das kann was werden, denke ich mir. Aber spulen wir kurz zurück: Training! Die Abfolge sieht so aus: erst lockeres Beinschwingen und dann die Haxn mit einem lauten Knall auf den Boden absetzen. Dabei Brust raus und die Arme in die Höhe. Wir wollen groß und stark wirken. Denn wie ich gelernt habe, ist es ein Freierstanz. So wie die Hirsche röhren, platteln und werben echte Bayern so um ihre Angebetete. Danach folgen die berühmten Hiebe auf den Schenkel. Abwechselnd rechts links. Nicht vergessen: Die Schläge eins, fünf und elf werden auf den Schuhsohlen platziert. Beim sechsten Klatscher das Standbein wechseln, und schon kommt Schwung in das Ganze. Zum Abschluss folgt noch der Hochsprung, bevor wir uns in gewohnter Gentleman-Manier auf den Boden niederknien. So weit, so gut! Theoretisch und in Zeitlupe beherrsche ich die einzelnen Schritte. Mit Musik ist davon leider nichts mehr zu sehen. Bis meine Synapsen im Hirn bis elf zählen und ich mir in mein Gedächtnis rufe, was bei welcher Zahl zu tun ist, sind die anderen schon fertig. Erst nach vielem Üben sind kleine Ansätze eines Plattlers zu erkennen. Mir wird schwindelig, und der Kopf raucht!

 

 

Am Samstag darauf ist Showtime. Geschätzte 421 Gäste warten auf meinen Auftritt. Je näher er kommt, desto nervöser werde ich. Dann ist es so weit. Letzte Instruktionen sowie leichte Veränderungen gibt mir Trainer Zenger noch mit. Dann geht die Musik an, und getreu unserem Motto „Möglich heißt machen“ lege ich einfach los. Mein Herz pocht, und der Schweiß rinnt so langsam auf meiner Haut. Das wird auch mit der Zeit nicht besser. Die Burschen legen so schnell los, dass ich nicht hinterherkomme. Schnell vergesse ich das Zählen, und es herrscht ein einziges Wirrwarr im Hirn. Nur noch ein Gedanke: „Bloß nicht aufhören. Einfach weitermachen!“  Ich klopfe und patsche einfach auf meine Lederhose. Ab und zu mal das Beinchen heben und auf die Sohle hämmern. Ich hoffe nur, dass die 890 Fans meinen Freestyle nicht bemerken. Nach fünf Minuten und zwei Vorführungen habe ich es geschafft. Die  Zuschauer klatschen begeistert. Ob sie es geschnallt haben, dass ich ein blutiger Anfänger und schon lange kein waschechter Bayer bin? Das kann ich nicht sagen. Wenn, dann sind alle sehr nett und behalten es für sich, man klopft mir anerkennend auf die Schulter und zwinkert mir fröhlich zu.

 

Ohnehin habe ich an diesen zwei Abenden viele tolle und liebe Menschen kennen gelernt. Hier wird die bayerische Kultur noch mit echter Herzlichkeit gelebt! Außerdem muss ich (entgegen meinen preußischen Vorurteilen) zugeben, dass dieser spezielle Tanz wirklich anstrengend ist. Nicht nur, dass ich einen Wasserverlust zu beklagen habe, auch meine Beine zeigen sich wenig begeistert von den ungewohnten Bewegungen. Und eins ist sicher: Wer das heute noch kann, dem ist die Aufmerksamkeit gewiss. Auch in den Zeiten von Facebook schindet das Platteln von jungen Burschen immer noch Eindruck bei den Frauen. Ich werde das bei meinem nächsten Discobesuch in Frankfurt garantiert ausprobieren! Drückt mir bitte alle die Daumen!

 

Und ja, ich nenne das ab sofort eine Sportart.

 

Herzlich, Euer Plinkelix

 

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