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Interview: „In Ruanda bin ich stolz auf die Arbeit der Sparkassen geworden“

Herr Patrick Planck, Sie sind Student der Sparkassen-Hochschule Bonn. Gerade leisten Sie Ihren Praxisteil in der Sparkasse Regensburg ab und waren vor Kurzem mit der Sparkassenstiftung zwei Monate in Ruanda. Was hat Sie dazu bewegt, diese Herausforderung anzunehmen?

 

Anfangs wusste ich gar nicht, dass die Sparkassen eine solche Stiftung besitzen. Während meiner letzten Präsenzphase in Bonn stieß ich auf einen Aushang und war schon leicht überrascht über die internationale Ausrichtung der Stiftung. Das hat sich erst so gar nicht nach Sparkasse angehört, die ja doch eher dem Regionalprinzip verbunden ist. Mein Interesse war sofort geweckt und ich habe mich gleich mit einem zuständigen Mitarbeiter vor Ort unterhalten. Nach einer kurzen Umfrage nach einem Bedarf an Arbeitskräften waren die Möglichkeiten auf Ruanda beschränkt worden. Daraufhin folgte mein erstes Skype-Bewerbungsgespräch mit dem Projektleiter in Ruanda.

Das ging alles so schnell, dass ich mich erst danach mit dem Land Ruanda genauer beschäftigen konnte. Die Arbeit der Stiftung vor Ort fand ich aber im ersten Moment so interessant, dass das Land erstmal zweitrangig für mich war.

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Die Sparkassenstiftung ist eine leitende Institution in Ruanda. Welches Projekt bzw. welches Ziel verfolgt sie im Land?

 

Es gibt zwei Ziele, die die Sparkassenstiftung verfolgt. Die will sie nicht nur in Ruanda, sondern auch im Nachbarland Burundi erreichen. Zum einen geht es um die Professionalisierung des Mikrofinanzwesens. Zum anderen um den  Aufbau eines Ressourcen-Centers in Ostafrika. Beide Themen hängen stark voneinander ab. Ohne den Aufbau des Ressourcen-Centers ist die Nachhaltigkeit des Mikrofinanzwesens nicht gegeben.

 

Was bedeutet Mikrofinanz und wie kann Ruanda dieses Problem lösen?

 

Im Mikrofinanzwesen ist ein umfassender Begriff. Es geht es darum, den kleinen Sparern zu helfen.

In Ruanda legen die meisten ihr Geld unters Kopfkissen. Dieses Prinzip ist sicherlich in Deutschland auch noch verbreitet, aber man muss bedenken, dass die Häuser in Ruanda oftmals keine Türen und Fenster haben. Um die Verlustgefahr einzudämmen, bilden die Ruander Spargruppen. Innerhalb dieser Gruppe erhält eine Person das Vertrauen von allen Mitgliedern und erhält dann das ganze Geld zu Verwaltungszwecken. Das ist aber auch nicht sicher. Wenn genug Geld angesammelt ist, kann der Ausgewählte mit dem ganzen Geld abhauen. Somit hätten die meisten ebenfalls alles verloren.

Damit die untere Schicht in Ruanda einen Zugriff auf die Basisversorgung erhält, wurden von der Regierung sogenannte SACCO’s (Savings and Credit Cooperatives) ins Leben gerufen. Anderweitig existieren auch unter dem Dachverband AMIR Mikrofinanzinstitute. Diese sind aber eher in den prosperierenden Teilen Ruandas zu finden.

Die Aufgabe der Sparkassenstiftung  ist es, beide Institute zusammenzuführen und unter dem bestehenden Dachverband zu vereinen. Darüber hinaus gibt man Hilfestellung, das System weiter aufzubauen.

Der Aufbau des Ressourcen-Centers dient der Stabilisierung des Systems. Stabilität erreicht man vor allem über Bildung. In Ruanda können sich die meisten nichts unter den uns gängigen Bankbegriffen und Systemen vorstellen. Das Volk besteht aus 4% Angestellten und 96% Tagelöhnern. Meine konkrete Aufgabe war es zum Beispiel, Lehrpläne zu erstellen. Darüber hinaus werden die Experten in Ruanda weitergebildet und Evaluierungen in Ostafrika erhoben.

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Wie ist denn das Bankensystem in Ruanda? Auf Welche Schwierigkeiten muss man sich als Bürger, aber auch als Urlauber einstellen?

 

Die Banken sind nur in den Großstädten zu finden. Es gibt auch Geschäftsbanken, die aber nur für die Oberschicht zugänglich ist. Da Ruanda aber nicht gerade aus vielen Großstädten besteht, ist die Dichte schon sehr gering. Das betrifft einen Großteil des Volkes und natürlich auch Urlauber, wenn sie auf dem Land unterwegs sind.

Sonst ergibt sich kein großer Nachteil als Reisender, sofern man eine Visa-Card besitzt. Die Master-Card ist in nur drei (!) Hotels in Ruanda zugelassen und die EC-Karte konnte ich nur ein einziges Mal nutzen. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass man immer viel Bargeld bei sich hat.

 

Hat man da keine Angst, dass man beklaut wird?

Eigentlich nicht. Die Militär- und Polizeipräsenz ist immens. In den Dörfern gibt es auch eine Art Nachbarschaftswache, die eine hohe Anerkennung findet.

Wie der Zufall es will, wurden uns, trotz eigenen Sicherheitsbeamten, Laptops, Handys und Geldbörsen gestohlen, während wir schliefen. Das war schon sehr ärgerlich. Das Militär hat sich sogar eingeschaltet. Die Untersuchungen laufen noch. Sie haben einen LKW mit entsprechender Ware angehalten. Jetzt steht es nur noch nicht fest, ob unsere Sachen auch dabei sind.

Trotz dieses Vorfalls habe ich mich die ganze Zeit über sicher gefühlt. Ich hatte auch nie Probleme, nachts durch die Straßen zu gehen.

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Ruanda war mal eine deutsche Kolonie. Konnten Sie sogar auf Deutsch mit den Bürgern kommunizieren?

 

Nein, das leider nicht. In unserem Team konnten auch nicht alle Deutsch. Somit war Englisch und Französisch das gängige Kommunikationsmittel. Das half aber nicht immer. Dadurch ergaben sich auch einige lustige Situationen, bei denen man sich wortwörtlich mit Händen und Füßen verständigt hat.

 

Welche großen Unterschiede oder vielleicht auch Gemeinsamkeiten gibt es zwischen den Banken in Ruanda und z.B. der Sparkasse in Deutschland?

 

Ich persönlich sehe da viele Gemeinsamkeiten. Die Mikrofinanzinstitute verfolgen dieselben Ziele wie die Sparkassen. Sie wollen den armen Menschen und damit dem breiten Volk eine Basisversorgung zur Verfügung stellen. Dies kann natürlich auch durch die Stiftung bedingt sein.

Natürlich steht Ruanda noch am Anfang. Aber das war vor 200 Jahren in Deutschland nicht anders.

 

Sie haben bei dem Projekt tatkräftig mitgeholfen. Die Bürger haben sicherlich etwas von Ihnen gelernt. Konnten Sie auch etwas mitnehmen?

 

Ich habe einiges erlebt und nehme viele Dinge mit nach Deutschland. Zum einen war die Reise identitätsfördernd. Zu sehen, was die Sparkasse mit der Stiftung für Projekte auf der Welt unterstützt, macht einen schon ein wenig stolz, bei solch einem Institut zu arbeiten.

Erst in Ruanda ist mir so richtig bewusst geworden, wie wichtig Banken sind und welche Bedeutung sie doch für viele Menschen haben.

Ebenso ist die Arbeitsstimmung etwas ganz anderes gewesen. Die Ruander sind so unglaublich motiviert und loyal zueinander. Das hat mir schon sehr imponiert. Die Leute waren auch dann mit voller Begeisterung dabei, wenn man nach Ablauf der Arbeitszeit noch etwas fertig machen wollte.

Vor allem ist mir im Kopf geblieben, wie wichtig doch klare Kommunikation ist. Dies liegt vielleicht auch daran, dass viele verschiedene Sprachen im Spiel waren. Deshalb war es umso wichtiger eine klare Anweisung zu formulieren, damit auch das gewünschte Ergebnis entsteht und die Auswirkungen des Handelns nicht Schaden mit sich bringt.

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Sie haben viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln können. Was hat Ihnen in der Zeit am meisten gefallen?

 

Das ist schwierig zu sagen. Am meisten beeindruckt hat mich die Freundlichkeit und der Respekt des Volkes gegenseitig und gegenüber Fremden. Sie waren alle sehr hilfsbereit. Wenn man gerade mal zwei Wörter in ihrer Sprache konnte, erließen sie teilweise einen Rabatt beim Einkauf. Das ist schon etwas ganz Besonderes.

 

Sie wurden bestohlen, die Infrastruktur und sanitären Anlagen waren mehr als bedürftig, Sie haben viel gearbeitet und miterlebt. Da bleibt die Frage: Würden Sie es wieder tun?

 

Ein ganz einfaches und kurzes: Ja, jederzeit!

 

Herr Plank, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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