SPARKASSE KUNST: Werkstattbesuch bei Fanny Jacquier

von Elke Pitzl am in Miteinander ist einfachKommentieren

Kein Tag ohne Linie. Das hat sich Fanny Jacquier geschworen und kann sich auch an keinen Tag ohne erinnern. Linien – ob mit Feder oder Bleistift ins Skizzenbuch gezeichnet oder der Stadtplan auf Reisen. Alles eine Form von Grafik. Auf Reisen ist die Künstlerin mit den französischen Wurzeln gerne und oft. Reisen sind eine ihrer Inspirationsquellen.

 

 

Jacquier lebt und arbeitet in Regensburg. Ihr Atelier ist im Andreasstadel. Echt toll. Mansarde. Alte, dicke Balken. Irre hoch. Richtig schön eingerichtet für ein Atelier. Beeinflusst der große Raum ihre Arbeiten, weil sie doch eher kleinformatig unterwegs ist, frage ich. „Schon“, meint sie. „Viel Raum schafft viel Möglichkeit.“

 

 im Atelier

 

Meterhohe und –breite Arbeiten, eine ist derzeit in der Sparkassenzentrale zu sehen, wären sonst möglicherweise undenkbar. „Im Wachsen“ heißt die Arbeit, die Jacquier extra für die gleichnamige Ausstellung in der Sparkasse angefertigt hat. Viele Einzelblätter, die mittels Raster an die Wand gebracht sind. Man meint Bäume, Sträucher zu erkennen, dann ist da wieder ein leeres Blatt. Hm.

 

Es ist ein Blick aus einem überdimensionalen Fenster. Alles dreht sich bei Jacquier irgendwie um Fenster. Fenster mit Fensterkreuzen, die das, was zu sehen ist, in Einzelbilder zerlegen. Eine fragmentierte Welt, die die Künstlerin in schnellen Zeichnungen festhält.

 

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Landschaft ist ihr Thema. Natur beobachten, wiedergeben, aber nicht wirklichkeitsgetreu. Idyllische Landschaftspanoramen zum vor sich hin träumen und glücklich sein – romantische Bildbetrachtung: Fehlanzeige. „Damit kann ich nicht dienen“, sagt Fanny Jacquier. „Ich schau mir die Welt durchs Fenster an. Mal vom Atelier aus, aus dem Auto, aus dem Zug und halte meine Beobachtungen im Skizzenbuch fest. Bewegung interessiert mich.“

 

Botschaften haben ihre Arbeiten nicht, betont Jacquier mehrfach. „ICH krieg mein Bild nicht zusammen. Das ist meine Art, mich mit der Realität auseinanderzusetzen.“ Sie steht ihren Arbeiten distanziert gegenüber. Es geht um die Linie, den Strich.

 

 

Im Atelier kleben jede Menge Post-Its an der Wand. Winzig kleine Zeichnungen sind darauf. „Aus einer früheren Arbeit“, sagt sie feierlich. Und mir wird klar, Klein ist für Fanny Jacquier das wahre Groß. Wenn sie vor die Wahl gestellt würde zwischen Wandzeichnung und Skizzenbuch, dann: lieber Skizzenbuch!. Sssst. Komm mal ganz nah ran und schau!

 

Text: Elke Schmidt

Fotografie: Fabian Lutz

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